Es gibt eine besondere Sorte Mac-App. Nicht die glänzende mit dem großen Marketing und dem Abo-Schild, sondern die stille, die einfach jeden Tag ihren Dienst tut. Sie stürzt nicht ab. Sie bettelt nicht um Aufmerksamkeit. Und sie fragt nicht alle fünf Minuten nach 4,99 im Monat.
Das hier sind meine Dauerbrenner. Apps, die ich seit Jahren behalte, fast alle kostenlos, einige kaum bekannt. Und weil sich Preise ändern: Wo aus „kostenlos" inzwischen etwas anderes geworden ist, schreibe ich es dazu.
Maccy
Maccy ist ein Zwischenablage-Verlauf. Mehr nicht. Aber wie Butter auf Toast ist es die richtige Sorte simpel.
Alles, was ihr auf dem Mac kopiert, Text, Links, Code, merkt sich Maccy. Das, was ihr vor zwölf Kopiervorgängen im Puffer hattet? Liegt bereit, einen Hotkey entfernt. Kein Schnickschnack, keine seltsamen Animationen, nur ein blitzschnell durchsuchbarer Verlauf. Nach einer Woche fragt ihr euch, wie es je ohne ging.
Zum Preis: Im Mac App Store kostet Maccy inzwischen ein paar Euro. Das Projekt ist aber Open Source, über GitHub oder per brew install maccy bleibt es kostenlos. Falls euch Homebrew nichts sagt: Es hat bei mir den App Store weitgehend ersetzt.
ProNotes
Apple Notizen ist ziemlich gut geworden. Mit ProNotes als Erweiterung wird daraus ein Werkzeug, das sich vor Notion nicht verstecken muss: Markdown-Unterstützung, Vorlagen für wiederkehrende Strukturen, eine Formatierungsleiste bei markiertem Text und Slash-Befehle für schnelle Aktionen.
So sollte Apple die Notizen-App von sich aus ausbauen. Die Kernfunktionen sind kostenlos; nur der KI-Zusatz steckt in einem Abo, das ihr getrost ignorieren könnt.
ChatGPT
Ja, ich nutze KI-Werkzeuge. Zum Recherchieren, für Fragen, für Vorarbeiten. Die ChatGPT-App für den Mac ist dafür meine Wahl geblieben: schnell, per Hotkey aus jeder Situation aufrufbar, arbeitet mit anderen Mac-Apps zusammen.
Die Konkurrenz hat aufgeholt: Gemini hat seit April 2026 eine native Mac-App (nur für Apple Silicon, ab macOS 15), Claude hat längst eine, und im Terminal arbeite ich ohnehin täglich mit Claude Code. Für den schnellen Griff zwischendurch bleibt es bei mir trotzdem ChatGPT.
Eine Sache gehört dazu: Was ihr den Cloud-KIs erzählt, landet auf US-Servern. Über KI, die eure Daten für sich behält, habe ich getrennt geschrieben.
Espanso
Espanso macht aus euch Tastatur-Zauberer. Ihr definiert Kürzel für Text: :adr tippen, die volle Anschrift erscheint. :sig, die Mail-Signatur steht da.
Es geht tiefer. Espanso kann Skripte ausführen, dynamische Inhalte einsetzen, Formulare füllen, im Grunde alles automatisieren, das ihr öfter als einmal pro Woche tippt. Open Source, kostenlos, plattformübergreifend.
Schön ist es nicht, und die Einrichtung über Textdateien schreckt erst einmal ab. Aber wer auch nur zu zehn Prozent Nerd ist, richtet es einmal ein und tippt danach spürbar weniger.
Die Bordmittel
Vorinstalliert, trotzdem auf dieser Liste, weil ich sie dauernd benutze.
Notizen: schnell, zuverlässig, mit ProNotes ein Kraftpaket, Sync mit dem iPhone inklusive. Erinnerungen: mit Unteraufgaben, Tags und intelligenten Listen mein kleiner Projektmanager. Kalender: für mich weiterhin der aufgeräumteste Kalender überhaupt. Mail: unspektakulär, verlässlich. Safari: leichtgewichtig, sparsam mit dem Akku und bei der Privatsphäre vorn.
Über Standard-Apps rümpft man die Nase, weil sie eben Standard sind. Für mich sind sie Jeans und T-Shirt der digitalen Garderobe: bequem, und aus der Mode kommen sie nie.
AppCleaner
Apps löschen war auf dem Mac immer halbgar: Programm in den Papierkorb, Papierkorb leeren, und im System schwirren trotzdem noch Reste herum, Einstellungen, Caches, versteckte Ordner.
AppCleaner löst das. App aufs Fenster ziehen, alle zugehörigen Dateien erscheinen, alles zusammen löschen. Sauber und vollständig. Einmal benutzt, und ihr zieht nie wieder eine App allein in den Papierkorb.
Ice
Eure Menüleiste quillt über? Ice räumt sie auf: Symbole verstecken, zeigen, per Drag-and-drop umsortieren. Kostenlos und Open Source, während der bekannte Konkurrent Bartender Geld kostet.
Mehr gibt es dazu nicht zu sagen, und das ist ein Kompliment.
ImageOptim
Bilder fürs Web verkleinern, ohne dass die JPEGs aussehen wie durch den Mixer gedreht: Dafür ist ImageOptim da. Es entfernt überflüssige Metadaten, komprimiert schlau und liefert Dateien, die schnell laden und trotzdem scharf aussehen.
Ich nutze es für Blog-Bilder und alles, was ins Netz geht. Reinziehen, fertig. Open Source und kostenlos, für alle, die veröffentlichen, ein Pflichtwerkzeug.
Shottr
Shottr ist das Screenshot-Werkzeug, das macOS eingebaut haben sollte: Scroll-Aufnahmen, Anmerkungen, Pixel-Lineal, Text aus Bildern kopieren. Für Anleitungen und Blog-Beiträge deutlich besser als das Bordmittel hinter cmd-Shift-5.
Auch hier hat sich der Preis bewegt: Seit Version 1.8 ist Shottr 30 Tage frei, danach erinnert es gelegentlich an eine Lizenz für einmalig 12 Dollar. Kein Abo, und gemessen am gehypten CleanShot X bleibt es das Schnäppchen.
Speediness
Speedtest-Seiten im Browser sind voller Werbung und wollen Cookies setzen. Speediness aus dem App Store ist das Gegenteil: eine kleine, kostenlose Mac-App vom Open-Source-Entwickler Sindre Sorhus, die die Verbindung misst, hübsch aussieht und sonst nichts will.
Mehr braucht ein Speedtest nicht.
Klein, leise, geblieben
Diese Apps tragen meinen Mac-Alltag seit Jahren, und bis auf zwei Preisschilder, die unterwegs dazugekommen sind, kosten sie nichts. Sie funktionieren einfach. Deshalb bleiben sie.
Und falls ihr einen Dauerbrenner habt, der hier fehlt: Sagt ihn mir gern weiter. Ich probiere so etwas immer aus.

