Nicht die KI macht Texte langweilig, sondern wir

Burk Von Burk
Nicht die KI macht Texte langweilig, sondern wir

Man erkennt KI-Text ziemlich schnell. Meistens. Die glatten Sätze, der brave Ton, die fehlende Persönlichkeit. Es wird besser, aber ganz da sind wir noch nicht.

Das eigentliche Problem ist trotzdem nicht die KI. Es sind die Leute, die sie wie einen Kaugummiautomaten behandeln. Knopf drücken, Text rausziehen, veröffentlichen. Kein Gedanke, keine Bearbeitung, kein vernünftiger Prompt, keine eigene Idee.

Die KI hat euren Text nicht langweilig gemacht. Das wart ihr.

Das „Schreib mir einen Artikel"-Problem

Viele, die KI für Inhalte nutzen, hängen am selben faulen Muster: einen generischen Prompt eintippen, „Schreib einen Artikel über Produktivitäts-Tipps", kopieren, was ChatGPT ausspuckt, auf Veröffentlichen drücken, und sich dann wundern, warum niemand liest.

Danach ist „der Algorithmus" schuld, oder es heißt: KI-Texte funktionieren halt nicht. Nein. Schlechte Texte funktionieren nicht. Das war schon immer so und bleibt so. Deshalb sind alle guten Autoren, die KI nutzen, weiterhin gute Autoren, und alle schlechten weiterhin schlechte. Daran ändert die KI nichts. Sie macht nur mehr schlechte draus.

So nutze ich KI wirklich

Ich nutze KI jeden Tag. Nicht zum „Schreiben", sondern um die Grundlage für eine Idee zu legen. Recherche, eine erste Gliederung, ein Rohentwurf, gespeist aus meinem eigenen Fundus an Texten. Damit ist der Artikel theoretisch fertig, und schon besser als das meiste rein KI-Generierte, weil mein eigenes Material die Basis war.

Nur ist „theoretisch fertig" eben nicht gut genug.

Drei Dinge, die ich nie überspringe

Erstens eine Haltung. Guter Text hat eine Perspektive, außer er ist rein beschreibend, so eine Anleitung eben. Sonst gilt: Ein Text soll etwas behaupten, eine Position beziehen. „Zehn Produktivitäts-Tipps" ist keine Haltung, das ist eine Liste. „Warum euer Produktivitätssystem euch unproduktiver macht" ist eine Haltung. Fast dasselbe Thema, nur mit einem Standpunkt. Das meiste KI-Material scheitert genau hier, weil der Mensch dahinter nie eine Meinung hatte.

Zweitens Persönlichkeit. Die Standardstimme der KI ist meist brav. Technisch brauchbar, aber schnell wieder vergessen. Meine Aufgabe ist, die Würze nachzulegen. Ich schreibe viele Sätze um, bis sie nach etwas klingen, das ich tatsächlich sagen würde. Wer das nicht tut, schreibt nicht, sondern drückt Knöpfe.

Drittens Witz. Guter Text hat eine Kante. Er überrascht, bringt einen zu diesem „huh, so hatte ich das noch nie gesehen". Die KI liefert manchmal Winkel, auf die ich nicht gekommen wäre, das stimmt sogar. Aber sie bleibt eine Mustererkennungs-Maschine, trainiert auf dem Durchschnitt des Internets, und Durchschnitt kommt hinten raus. Witz kommt von uns. Aus einer Beobachtung, aus dem Blick für die Ironie in einer Sache.

Der ehrliche Test

So merkt ihr, ob ihr KI gut nutzt: Streicht die Autorenzeile. Würde jemand, der euch kennt, den Text trotzdem als euren erkennen? Wenn nein, ist er nicht gut genug. Der Test fällt oft durch, das ist ehrlich schwer. Aber er ist ein Anfang.

Das Ziel ist nicht, KI zu meiden. Das Ziel ist ein besserer, schnellerer erster Entwurf, zügige Recherche, weniger Momente vor dem leeren Blatt. Und am Ende soll es trotzdem nach euch klingen. Das ist schwer. Immer noch.

Hört auf, das Werkzeug zu beschuldigen

Wer sagt, KI ruiniere das Schreiben, hat halb recht und verfehlt den Punkt. Nicht die KI ruiniert etwas, faule Autoren tun das. Dieselben Leute, die früher generische Listicles aus fremden Blogposts zusammenkopiert haben, kopieren jetzt generische KI-Listicles aus anderen KI-Texten. Das Werkzeug hat sich geändert, die fehlende Mühe nicht.

Gute Autoren nutzen KI derweil, um schneller zu recherchieren, Winkel zu finden, die Schreibblockade zu überwinden, effizienter zu redigieren und auf dem Eigenen aufzubauen. Und ihr Text klingt weiter menschlich, weil sie die Arbeit machen, nachdem die KI ihre getan hat. Es ist übrigens dieselbe Handarbeit, an der sich gerade entscheidet, wer vom Schreiben überhaupt noch leben kann.

ChatGPT schreibt keine langweiligen Texte

Wir sind nicht KI-müde. Wir sind müde von lieblosem Text, der zufällig aus einer KI stammt. Zumindest ich. Nutzt man sie als Abkürzung, um das Denken zu umgehen, wird der Text mau. Nutzt man sie als Werkzeug, um besser zu denken und schneller zu schreiben, kann er richtig gut werden. Nicht die Technik ist das Problem, sondern unsere Herangehensweise. Wer die KI dafür lieber lokal und unter eigener Kontrolle laufen lässt, findet hier meinen Weg dahin.

Ich sag es noch einmal: Auch mit KI wird es gute und schlechte Autoren geben. Daran ändert sie nichts. ChatGPT schreibt keine langweiligen Texte. Das tun wir.

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