Ein Drittel der Kundschaft will gar keine KI im Gerät

Burk Von Burk
Ein Drittel der Kundschaft will gar keine KI im Gerät

Niemand wacht morgens auf und denkt: Heute will ich mal richtig viel künstliche Intelligenz benutzen.

Ihr denkt: Hoffentlich hält der Akku bis zum Meeting. Oder: Spotify soll endlich aufhören, mir dieselben vier Lieder vorzuschlagen. Und trotzdem steckt in beidem KI, im Energiemanagement des Chips genauso wie in der Playlist-Empfehlung. Firmen kleben das Etikett trotzdem auf alles: die Kamera ist KI-gestützt, die Serienempfehlung ist KI-kuratiert, sogar die Einparkhilfe ist jetzt KI-gesteuert.

Unsichtbar, bis sie ausfällt

KI ist zur Elektrizität geworden. Überall, und erst auffällig, wenn sie ausfällt.

Google Maps kennt den Stau, bevor Ihr in ihm steckt, weil ein Modell live die Standortdaten von Millionen Nutzern verrechnet. Euer iPhone erkennt Euer Gesicht auch im komischen Winkel im Bett. Der Spamfilter, der Euer Postfach halbwegs sauber hält, läuft ebenfalls über KI. Fällt das morgen aus, sagt niemand „meine KI ist kaputt". Ihr sagt: „Wieso spinnt mein Handy schon wieder."

Ein Drittel sagt: brauche ich nicht

86 Prozent der US-Verbraucher kennen KI in ihren Geräten, aber 35 Prozent davon wollen sie gar nicht. Das zeigt der Marktforscher Circana in seinem Bericht „The Evolving Ecosystem" vom Januar 2026. Der häufigste Grund: Das Gerät kann ohnehin schon alles, was gebraucht wird, das sagen fast zwei Drittel der Ablehnenden. Dazu kommen Datenschutzbedenken (59 Prozent) und die Sorge, für KI-Funktionen extra zu zahlen (43 Prozent).

Das ist keine Gleichgültigkeit mehr, sondern aktive Ablehnung. Ein Drittel der Menschen, die genau wissen, was KI in ihrem Handy tut, will trotzdem lieber ohne.

Apple sagt nie KI

Ein Konzern hat das früh verstanden und lange konsequent das Gegenteil von allen anderen gemacht: nichts „KI" nennen.

Apple nennt seine Kamera-Software „Smart HDR" und „Photonic Engine", nicht KI-Bildverarbeitung. Der Chip trägt eine „Neural Engine", keine „KI-Einheit". Texterkennung heißt „Live Text", die geklonte Stimme für Menschen mit Sprachverlust „Personal Voice". Und als der Konzern 2024 endlich nachzog, hieß das Ergebnis „Apple Intelligence", nicht „Artificial Intelligence".

Auf der WWDC im Juni 2026 zog Apple das durch, während Google in seiner eigenen Keynote „KI" gefühlt so oft sagte wie „Google" selbst. Apple erzählte stattdessen von einzelnen Momenten: Siri findet die Adresse einer Freundin, ein Foto lässt sich nachträglich anpassen, eine Rechnung wird über Apple Cash unkompliziert geteilt. Im Mittelpunkt stand ohnehin eher Liquid Glass, das neue Design der Systeme, als irgendein KI-Feature. Das ist kein Zufall, sondern dieselbe Zurückhaltung, mit der Apple auch bei der Hardware einen anderen Weg geht als Nvidia und die großen Cloud-Anbieter: kleiner bauen, weniger Aufsehen, mehr im Hintergrund.

Ergebnisse schlagen Buzzwords

Ihr kauft keine Technologie. Ihr kauft, was sie für Euch tut.

Niemand will „KI-gestützte Fotoverbesserung". Ihr wollt: Verdammt, ich sehe auf diesem Bild richtig gut aus. Niemand will „KI-Suche". Ihr wollt die Antwort schneller finden. Niemand will „KI-gesteuerte Hausautomation". Ihr wollt, dass das Licht ausgeht, wenn Ihr es wieder mal vergessen habt.

Genau daran scheitert auch der KI-Workflow, den halbe Firmen gerade an ihre Belegschaft verkaufen wollen: Menschen widersetzen sich nicht der Technik. Sie widersetzen sich der Extra-Arbeit, sich mit einem neuen Label auseinanderzusetzen, wenn die alte Excel-Tabelle ihren Job doch schon erledigt.

Ein Generationenbruch, keine Konstante

Bei jüngeren Nutzern kippt das allerdings. Fragt einen Teenager, was an seinem Kamera-Filter „KI" ist, und Ihr bekommt ein Schulterzucken. Personalisierung und Automatisierung sind für sie einfach, wie das Internet funktioniert, kein Verkaufsargument. Für sie ist KI eher wie WLAN: erwartet, nicht bemerkenswert.

Für Unternehmen bedeutet das: Das Etikett verliert seinen Glanz schneller, als die Marketingabteilungen nachziehen können.

Das beste Produkt 2026 wird nicht das sein, das am lautesten „KI" ruft. Es wird das sein, das sich anfühlt, als wäre es der Technik einen Schritt voraus, ohne je darüber zu reden.

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