Amerika sperrt die Welt aus seiner besten KI aus

Burk Von Burk
Amerika sperrt die Welt aus seiner besten KI aus

Anthropic hat vor zwei Wochen Fable 5 herausgebracht. Das beste Modell, das sie je gebaut haben. Ein paar Tage später war es weg. Nicht, weil etwas damit nicht stimmte. Die US-Regierung hat angeordnet, es vom Netz zu nehmen.

Wer kein US-Bürger ist, darf es nicht benutzen. In San Francisco zu wohnen, hilft nicht. Bei Anthropic zu arbeiten, hilft auch nicht. Die Firma musste ihre eigenen ausländischen Mitarbeiter aussperren.

Ich lebe in Deutschland. Also bin ich dabei. Wahrscheinlich viele von euch, die das hier lesen, auch.

Zwei der besten Modelle der Welt stehen jetzt hinter einem staatlichen Tor. Und Washington entscheidet, wer durchdarf.

Der Schnitt

Was passiert ist, in groben Zügen. Mitte Juni hat das US-Handelsministerium Anthropic mit Exportkontrollen belegt und angeordnet, Fable 5 und das größere Geschwistermodell Mythos 5 für jeden ausländischen Staatsbürger zu sperren, im Land und außerhalb. Aus einem API-Aufruf lässt sich die Staatsbürgerschaft kaum ablesen, also hat Anthropic beide Modelle einfach für alle abgeschaltet. Weltweit.

Offiziell ging es um nationale Sicherheit, und viel mehr wurde laut nicht gesagt. Den Rest haben die Berichte gefüllt. Eine Gruppe mit Verbindungen nach China war wohl ins neue Modell eingedrungen, und in der Regierung war man nervös, Fable 5 ließe sich zu echter Hilfe bei Cyberangriffen überreden. Von der Sorte, die Banken und ihre uralten Backend-Systeme trifft. Anthropic hielt dagegen, ein einzelner enger Jailbreak dürfe nicht ein ganzes kommerzielles Produkt beerdigen. Die Regierung sah das anders.

Die Logik ist dieselbe, die die USA längst bei den Chips von Nvidia und AMD anwenden. Manche Länder bekommen das gute Silizium nicht. Jetzt bekommen sie auch die gute Software nicht.

Auch OpenAI

Und es ist nicht nur Anthropic.

OpenAIs Neuestes, GPT-5.6, hat dasselbe abbekommen, nur weicher verpackt. Die Regierung bat OpenAI, die breite Veröffentlichung zurückzuhalten und das Modell auf rund 20 Partner zu beschränken, die Washington vorher geprüft hatte.

Sam Altman soll seinen Leuten gesagt haben, der Zugang werde einzeln freigegeben. Kunde für Kunde, von Washington. Es ist also kein pauschaler Ausländer-Bann wie bei Anthropic. Es ist eine Gästeliste. Und ihr steht nicht drauf.

Andere Methode, gleiches Ergebnis. Die zwei besten Modelle der Welt sitzen im Moment beide hinter einem Tor in Washington.

Der Schalter

Ein paar amerikanische Firmen bauen die besten Modelle der Welt, und die amerikanische Regierung entscheidet, wer in ihre Nähe darf.

Das ist ein gefährlicher, mächtiger Schalter. Und die Hand darauf gehört ausgerechnet einem Präsidenten, dem ich nicht über den Weg traue.

Das Muster kennen wir schon von anderen Dingen. Musk hat die Starlink-Abdeckung über einem Kriegsgebiet gekappt, als es ihm passte, weil er es konnte. Europa wurde bei den amerikanischen Zahlungswegen nervös genug, dass es jetzt seinen eigenen digitalen Euro baut.

Jetzt ist die KI dran. Was in gewisser Weise schlimmer ist, weil KI zu der Schicht wird, auf der alles andere läuft. Für alle, überall.

Wir brauchen eigene

Europa braucht eigene Modelle. Andere Teile der Welt auch. Aber wir sind verdammt weit davon weg.

KI-Modelle sind längst kein Luxus mehr. Es braucht echte Labore und echte Modelle, gebaut in der EU und anderswo, an die keine fremde Regierung herangreifen und sie abschalten kann.

Einen Anfang haben wir. Mistral, in Frankreich.

Deren ganze Idee sind Open Weights. Modelle, die ihr herunterladen und auf den eigenen Maschinen laufen lassen könnt. Das zählt. Ein Modell, das schon auf irgendwelchen Servern in Frankfurt liegt, kann niemand mehr zurückrufen. Der Rest der europäischen KI-Szene ist auch da, nur klein. Sehr klein.

Aleph Alpha in Deutschland hat die Jagd auf die Spitze vor einer Weile aufgegeben. Black Forest Labs macht Bildmodelle.

Was in Europa an KI wirklich entsteht, jenseits der Erzählung „USA baut, Europa reguliert", habe ich an anderer Stelle zusammengetragen.

Es ist ein Anfang. Viel mehr nicht. Von richtig guten KI-Modellen für den Alltag sind wir weit entfernt.

Das Geld

Schaut euch nur das Geld an.

OpenAI nimmt im Jahr grob 25 Milliarden Dollar ein. Anthropic liegt hochgerechnet über 30 Milliarden Dollar. Mistral erwartet dieses Jahr rund eine Milliarde Euro. Rundet das, wie ihr wollt, sie spielen nicht in derselben Liga.

Die Modelle sagen dasselbe. Mistrals bestes ist der schwächste Denker der Spitzengruppe. Es ist okay. Es kann eine Menge. Aber es ist bei Weitem nicht das beste, und es tut auch nicht so.

Dann beißt sich die Katze in den Schwanz. Leider.

Ihr könnt kein Spitzenmodell trainieren ohne einen riesigen Berg Chips. Die besten Chips sind amerikanisch, und die USA entscheiden, wer sie bekommt. Dieselbe Regel, die uns von Fable ausgesperrt hat, macht es uns auch schwerer, je ein eigenes zu bauen.

Wir hängen hinterher, und ein großer Grund, warum wir hinterherhängen, ist das Land, das wir einzuholen versuchen.

Die andere Seite

Ein Teil davon ist eine berechtigte Sorge.

Wenn eine feindselige Gruppe wirklich ins Modell gekommen ist und es einen Angriff auf eine Bank tatsächlich beschleunigen könnte, dann verstehe ich die Vollbremsung. Nicht jede Sicherheitslinie ist ein Vorwand.

Es gibt aber einen Widerspruch, den die USA nicht aufgelöst haben. Trumps KI-Versprechen ist, dass die Welt auf amerikanischen Modellen laufen soll. Amerikanische KI überall, als Standard. Dahin kommt ihr nicht, indem ihr eure besten Modelle wegsperrt.

Jedes Mal, wenn Washington ein Modell zurückzieht, wird Mistrals unaufgeregter Open-Weight-Ansatz attraktiver. Ein Modell, das ihr selbst hostet, kann euch niemand abschalten.

Etwas, das keiner abschalten kann

Das KI-Rennen gewinnen, das ist für uns in der EU nicht drin. Vielleicht nie.

Aber etwas zu haben, das niemand jenseits eines Ozeans an einem Dienstagmorgen ausknipsen kann, das sollte das Ziel sein.

Das haben wir noch nicht. Wir haben einen kleinen Anfang, einen langen Weg und ein Problem mit dem Chip-Nachschub.

Ich würde gern mit einem europäischen KI-Modell arbeiten. Im Moment geht das nicht. Nicht wirklich.

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