Der digitale Euro ist eine echte Gefahr für den Dollar

Burk Von Burk
Der digitale Euro ist eine echte Gefahr für den Dollar

Vor einer Weile tauchte Wero in meiner Banking-App auf. Ein privates Bezahlsystem von 16 europäischen Banken, um Geld über den Kontinent zu schicken, ohne ein amerikanisches Kartennetz anzufassen.

Der digitale Euro ist die nächste Stufe derselben Idee. Geld, das die Europäische Zentralbank direkt ausgibt. Keine Bank. Keine Karte. Die Zentralbank selbst.

Nach Jahren des „Prüfens" steht er jetzt auf einem echten Zeitplan. Und es ist das umstrittenste Geldprojekt, das Europa je angefasst hat. Aus guten Gründen.

Der Zeitplan

Die EU-Gesetzgeber wollen die Verordnung zum digitalen Euro im Laufe von 2026 verabschieden. Das rechtliche grüne Licht. Ohne das passiert nichts.

Im März 2026 hat die EZB Zahlungsdienstleister aufgerufen, beim Bau und Test mitzumachen. Bewerbungsfrist war Mitte Mai, die Auswahl endet Ende Juni.

Ein zwölfmonatiger Pilot startet in der zweiten Hälfte 2027. Eine mögliche erste Ausgabe frühestens 2029. Vorausgesetzt, das Gesetz kommt 2026 durch.

Zentralbankgeld im Handy

Ein digitaler Euro ist Zentralbankgeld auf eurem Handy. Digitales Bargeld, gedeckt von der EZB, nicht von einer Geschäftsbank.

Der Unterschied ist größer, als er klingt. Das Geld auf eurem Girokonto ist genau genommen ein Versprechen der Bank an euch. Geht die Bank pleite, ist das euer Problem. Zentralbankgeld kann nicht auf dieselbe Weise ausfallen. Bargeld funktioniert heute schon so. Der digitale Euro bringt das aufs Handy.

Er soll neben dem Bargeld stehen, nicht es ersetzen. Vorerst.

Es gibt auch einen Offline-Modus. Zahlen von Handy zu Handy, ohne Internet, und nur ihr beide wisst davon. Bargeld-Privatsphäre. In der Theorie.

Souveränität

Das ist der eigentliche Grund, warum es ihn gibt.

Die meisten digitalen Zahlungen in Europa laufen heute über Visa und Mastercard. Amerikanische Firmen. Leute aus der EZB haben offen gewarnt, dass Washington Europas Zahlungswege theoretisch abschalten könnte. Weil fast alle auf US-Infrastruktur laufen.

Wero ist eine Antwort darauf. Der digitale Euro ist die nächste. Staatlich gedecktes Geld, das keine fremde Firma und keine fremde Regierung abschalten kann.

Wero schiebt euer Bankgeld hin und her. Der digitale Euro ist das Geld selbst.

Christine Lagarde treibt das seit Jahren. Das Europäische Parlament hat im Februar dafür gestimmt und nennt es entscheidend für die monetäre Souveränität.

Was Europa über das Geld hinaus an digitaler Souveränität aufbauen könnte, habe ich an anderer Stelle eingeordnet.

Der Haken

Zentralbankgeld in digitaler Form heißt, die Zentralbank kann technisch eine Menge sehen. Kritiker nennen es ein trojanisches Pferd für die Finanzüberwachung. Jede Transaktion sichtbar für den Staat. Dazu KI, Profile. Kein schöner Gedanke.

Die Antwort der EZB heißt Privacy by Design. Ein klares Nein zu programmierbarem Geld. Eine Garantie, dass Bargeld bleibt. Und der Offline-Modus für Anonymität.

Aber der Offline-Modus, der wirklich private, kommt mit Grenzen. Kleine Beträge pro Zahlung. Euer anonymer Kaffee ist drin, das anonyme Sofa nicht.

Dazu eine Haltegrenze. Im Raum stehen rund 3.000 Euro. Ihr könnt nicht euer Erspartes in digitalen Euro parken, denn täte das in einer Panik jeder, wären die Banken über Nacht leer.

Das Design ist ein Drahtseilakt. Privat genug, dass die Leute vertrauen. Begrenzt genug, dass es das Bankensystem nicht sprengt. Nützlich genug, dass sich überhaupt jemand die Mühe macht. Alle drei zugleich hinzubekommen, ist schwer.

Die Schwächen

Er ist langsam. 2029 für eine erste Ausgabe ist in der Tech-Welt eine Ewigkeit.

Bleibt die naheliegende Frage. Brauchen wir ihn überhaupt? Wero läuft und wird besser. Apple Pay und Google Pay laufen. Eine öffentliche Digitalwährung als Souveränitäts-Projekt ist schwerer zu verkaufen, wenn jemand einfach nur die Rechnung beim Abendessen teilen will.

Die Banken sind auch nicht begeistert. Ein digitaler Euro konkurriert mit ihren Einlagen. Die Haltegrenze gibt es auch, um sie ruhig zu halten.

Und das Datenschutz-Versprechen hält nur, wenn das fertige Design es respektiert. Was 2026 versprochen wird, muss 2029 nicht mehr gelten. Wir werden sehen.

Geld ist persönlich

Dass Europa seine Geld-Infrastruktur selbst besitzen sollte, steht für mich außer Frage.

Aber Geld ist die persönlichste Infrastruktur, die es gibt.

Der digitale Euro kann eine großartige Sache werden. Oder das überwachteste Geld der freien Welt.

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