Ihr zahlt für iCloud+ und nutzt nur den Speicher.

Burk Von Burk
Eine Wolke mit Pluszeichen über drei Schaltern, zwei aus, einer an
Eigene Grafik

Ihr zahlt Apple jeden Monat etwas. Wahrscheinlich. Und sei es nur 0,99 € für iCloud-Speicher, weil das iPhone sonst nicht aufhört zu nörgeln.

Ich zahle deutlich mehr. 2 TB plus Familienfreigabe. Für mich lohnt sich das. Ich nutze Apple durch und durch, Telefon, Uhr, MacBook, das iCloud-Abo sowieso. Ich bin ein ziemlich intensiver iCloud-Nutzer und mit dem Ökosystem zufrieden. Vorerst.

Trotzdem liegt ein großer Teil dessen, was in diesem Abo steckt, in den Einstellungen herum. Ausgeschaltet.

Sobald ihr Apple auch nur einen Cent für Speicher zahlt, seid ihr nicht mehr bei iCloud. Ihr seid bei iCloud+. Das wissen die wenigsten. Und jede bezahlte Stufe, vom Tarif für 0,99 € bis zu 12 TB für 59,99 €, bekommt dieselben Zusatzfunktionen (größtenteils). Nach oben hin kauft ihr Speicherplatz. Und mehr Kameras. Dazu später.

Die kostenlosen 5 GB bekommen nichts davon. 5 GB sind 2026 ohnehin viel zu wenig, aber das ist eine andere Geschichte.

Zurück zu den Funktionen, die ihr vermutlich nie nutzt.

Private Relay ist fast ein VPN

Private Relay ist das Nächste an einem VPN, das Apple anbietet. Apple würde es nie so nennen. Und ganz ist es das auch nicht.

Trotzdem eine feine Sache.

Beim Surfen in Safari versteckt es eure IP-Adresse und verschlüsselt die DNS-Anfragen. Der Verkehr läuft über zwei Relays. Das erste betreibt Apple. Es kennt eure IP, aber nicht das Ziel. Das zweite betreibt ein Drittanbieter, der euch eine temporäre IP gibt und die Seite lädt. Keine Seite sieht das ganze Bild. Genau diese Trennung ist die Idee.

Unknackbar ist das nicht. Aber besser als nichts.

Ein eigenständiges VPN kostet ein paar Euro im Monat. Dieses hier steckt im Abo, das ihr schon bezahlt. Zumindest für Safari. Chrome und andere Apps bleiben außen vor, soweit ich weiß.

Einschalten: Einstellungen, euer Name, iCloud, Privat-Relay.

Jetzt das Kleingedruckte. Manche Websites verlangen einen zusätzlichen Prüfschritt, weil sie eure echte IP nicht sehen. Und im August haben Sicherheitsforscher gezeigt, dass Passkey-Anmeldungen komplett an Private Relay vorbeilaufen. Die Anfrage stellt das Betriebssystem, nicht Safari, sie landet also nie im Relay. Jede Seite, die Passkeys unterstützt oder das nur vorgibt, sieht eure echte IP. Apple kündigt eine Korrektur für Herbst 2026 an.

Nicht schön. Für den Alltag trotzdem besser als gar kein Schutz.

Hide My Email schützt eure echte Adresse

Diese Funktion nutzt ihr hoffentlich schon. Aber viele nutzen gar nicht Apple Mail, sondern Gmail oder Outlook, und haben sie deshalb nie in Aktion gesehen.

Hide My Email erzeugt Zufallsadressen, die an euer echtes Postfach weiterleiten. Eine Website will eure Mail für einen Download? Eine Testphase bei einem Dienst, dem ihr nicht ganz traut? Gebt eine Zufallsadresse. Fängt sie an zu spammen oder taucht in einem Datenleck auf, löscht ihr sie. Eure echte Adresse bleibt außen vor. Ich mag das sehr. Und nutze es überall.

Eure echte Mailadresse ist der Generalschlüssel für alles andere, was ihr online habt. Jedes Mal, wenn ihr sie herausgebt, kann sie verkauft oder geleakt werden. Dafür gibt es diese Funktion.

Antworten könnt ihr von den Zufallsadressen ebenfalls. Alles landet in der Mail-App.

Zwei Orte dafür. In Safari auf ein Mailfeld tippen, iOS bietet Hide My Email an. Oder Einstellungen, euer Name, iCloud, E-Mail-Adresse verbergen, dort legt ihr Adressen an, beschriftet und löscht sie.

Jetzt die schlechte Nachricht. Es gab eine Lücke. Schickte jemand eine Mail an eine eurer verborgenen Adressen und die wurde als Spam abgewiesen, stand eure echte Adresse in den Bounce-Protokollen. Gemeldet an Apple im Juni 2025. Apple erklärte sie im März 2026 für behoben. War sie nicht. Der Patch kam am 3. Juli 2026, nachdem 404 Media darüber berichtet hatte. Adressen, die vor dem 7. Juli 2026 angelegt wurden, können noch in fremden Protokollen liegen. In den USA läuft inzwischen eine Sammelklage.

Kein gutes Bild.

Und noch etwas aus diesem Monat. Apple wollte die Hide-My-Email-Adressen auf eine neue Domain umziehen, private.icloud.com. Dagegen gab es Widerstand, weil eine eigene Domain die Aliasse trivial blockierbar macht. Am 24. August hat Apple das zurückgenommen. Die Adressen bleiben auf icloud.com.

Die eigene Domain im Apple-Postfach

Hier wird es etwas technischer.

Wer eine eigene Domain besitzt, kann seine Mail über iCloud+ darauf laufen lassen. Statt name@icloud.com dann name@eure-domain.de, und Apple übernimmt Versand, Empfang und Postfach. In der Mail-App, die ohnehin auf dem iPhone liegt.

Bis zu fünf Domains, drei Adressen pro Domain, teilbar mit bis zu fünf weiteren Personen oder der Familienfreigabe.

Die Grenzen habe ich in Es gibt kein Apple Workspace beschrieben. Es ist ein schöneres Postfach für euch selbst, keine Geschäfts-E-Mail. Keine Admin-Konsole, keine Gruppenadressen. Für eine Person, eine Familie oder ein Nebenprojekt reicht das völlig.

Für viele von uns fällt damit die Google-Workspace-Gebühr weg. Und die eigene Domain gehört sowieso an alles, was geht, das Postfach eingeschlossen.

Die Einrichtung ist der einzige Punkt auf dieser Liste mit etwas Arbeit. Ihr braucht eine Domain bei einem Registrar, dann führen euch iCloud.com oder die iCloud-Einstellungen auf dem iPhone durch die DNS-Einträge. Je nach Anbieter sind das ein paar kopierte Zeilen. Einmalig.

Bleibt die Frage, warum Apple nicht endlich richtig ins Geschäftskunden-Segment einsteigt, mit einem Apple Workspace. Die Bausteine liegen alle da...

HomeKit Secure Video spart das Kamera-Abo

Diese Funktion nutze ich nicht. Smart Home ist nicht mein Thema, abgesehen von einem HomePod. Falls es eures ist: Überwachungskameras wollen ein Abo für den Cloud-Speicher. HomeKit Secure Video legt die Clips stattdessen in eurer iCloud ab. Ende-zu-Ende verschlüsselt, nicht einmal Apple kann in euer Haus schauen.

Und die Clips zählen nicht zum Speicher. Bis zu zehn Tage Aufnahmen, dann rollen sie durch.

Die Zahl der Kameras hängt am Tarif. Eine Kamera bei 50 GB, fünf bei 200 GB, unbegrenzt ab 2 TB. Das ist die einzige Funktion, die mit dem Tarif wächst.

Ihr braucht eine kompatible Kamera und eine Steuerzentrale, also einen HomePod oder ein Apple TV. Nicht jede Kamera kann das. Auf der Packung muss „HomeKit Secure Video" stehen, „HomeKit" allein reicht nicht.

Apple Invites gibt es nur mit iCloud+

Für die einen langweilig, für die anderen eine ziemlich gute Ergänzung des Ökosystems.

Invites ist eine eigene App, taucht in den iCloud+-Einstellungen also nicht auf. Sie kann Einladungen, Zu- und Absagen, ein geteiltes Album, eine geteilte Playlist.

Teilnehmen kann jeder, mit oder ohne Apple-Account. Aber Einladen setzt iCloud+ voraus. Wer es hat, bekommt keine Grenze bei der Zahl der Events und keine Werbung.

iCloud.com ist gratis, auch auf Windows

Diese hier kostet nichts. Und trotzdem...

Pages, Numbers, Keynote, Fotos, Notizen, Erinnerungen, Mail, Drive, alles läuft im Browser auf icloud.com. Die vollen Apps (größtenteils). Mit dem Apple-Account anmelden, an jedem Rechner. Ja, Windows. Linux auch.

iPhone verloren? „Wo ist?" läuft auf icloud.com vom Laptop von jemand anderem. Privates Fenster, anmelden, fertig. An manchen Stellen ruckelt es mehr, als mir lieb ist, aber es funktioniert.

Die Schattenseiten

Geld. iCloud+ mit 2 TB kostet 9,99 € im Monat. Knapp 120 € im Jahr. Verglichen mit den Tarifen anderer Anbieter finde ich das in Ordnung. Aber es bleibt ein Batzen. Vor allem für junge Leute, die gerade erst ins Ökosystem einsteigen.

Was mir gefällt: Die Funktionen sind eine Zugabe zum Speicher, den ihr ohnehin bezahlen würdet, kein Grund für einen größeren Tarif. Zwischen 0,99 € und 59,99 € ändert sich nichts außer Platz und Kameras.

Was mir nicht gefällt: die beiden Lücken von oben. Private Relay ist kein VPN, und in diesem Sommer war es nicht einmal ein vollständiger Safari-Schutz. Bei Hide My Email hat Apple ein Jahr für den Patch gebraucht. Zwei in einem Sommer, von einer Firma, die Datenschutz auf Plakatwände druckt.

Und die nächste Bezahlschranke kommt schon. Tim Cook hat in der Bilanzkonferenz im Juli gesagt, dass intensive KI-Nutzer „Upgrade-Möglichkeiten über iCloud+" bekommen, um sich höhere Limits zu kaufen. Schon jetzt setzen die Apple-Intelligence-Funktionen der Home-App unter iOS 27 einen 2-TB-Tarif voraus. Es sieht so aus, als würde aus der Speicherrechnung nach und nach Apples Dienste-Rechnung. Im September sehen wir, was das kostet.

Der Rest kommt mit dazu

Vier dieser Funktionen schalten sich frei, sobald ihr Apple irgendetwas zahlt. Viele von uns zahlen und nutzen sie nie richtig.

Wenn ihr nur eine einschaltet, dann Hide My Email. Dauert eine Minute. Fühlt sich gut an.

Wir zahlen für den Speicher. Der Rest kommt mit dazu. Dann können wir ihn auch nutzen. Oder?

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