Ich nutze Apple durch und durch. Das Telefon, die Uhr, das MacBook, das iCloud-Abo, alles.
Aber sobald ich ein kleines Team aufsetzen will, kann ich nicht zu Apple greifen. Kein einziges Mal. Weil es da nichts zu greifen gibt.
Microsoft 365 und Google Workspace sind keine Office-Pakete. Sie sind Betriebssysteme für Organisationen: Mail, Chat, Video, Dokumente, Dateien, Kalender, Aufgaben, und eine Verwaltung, die das alles von einem Bildschirm aus steuert. Apple hat davon nichts. Es hat hübsche Einzel-Apps für eine Person, meist kostenlos. Das ist etwas anderes.
Die Suite
Mail, Kalender, Notizen, Erinnerungen, iCloud, Pages, Numbers, Keynote. Alles gut, alles größtenteils gratis. iWork beherrscht sogar echtes gemeinsames Bearbeiten über iCloud, zwei Leute, dasselbe Dokument, beide tippen. Funktioniert. Nicht wie Google Docs, aber immerhin.
Es zerfällt allerdings in dem Moment, in dem ein Team dazukommt. Die Web-Versionen sind schwach, jeder braucht ein Apple-Konto, und der Rest der Geschäftswelt lebt in .docx und .xlsx, wo Apples Export bestenfalls solide ist. Microsoft Office gibt es aus einem Grund noch. Google hat das Teilen 2006 gelöst. Apple holt das 2026 noch auf.
iCloud Mail ist Endkunden-Mail. Man kann inzwischen über iCloud+ eine eigene Domain anhängen, bis zu fünf, geteilt mit der Familienfreigabe. Das ist keine Geschäfts-E-Mail. Keine Admin-Konsole, keine Postfach-Verwaltung für Mitarbeiter, keine Aufbewahrungsregeln, keine Sicherheitsrichtlinien, keine Gruppen-Adressen, die jemand tatsächlich verwalten kann. Google Workspace gibt euch all das für ein paar Euro pro Nutzer. Apple gibt euch einen schöneren Posteingang für euch selbst.
Chat
iMessage ist ein toller Messenger für Privatleute. Blaue Blasen, Verschlüsselung, das ganze Programm. Er ist aber Apple-only und von Person zu Person. Es gibt kein Apple-Teams, kein Apple-Slack. Keine Kanäle, keine an ein Projekt gebundenen Threads, keinen Weg, die Freelancerin mit Android hereinzuholen, keine Verwaltung, die einen Ausscheidenden mit einem Griff aus allen Gesprächen zieht. Für ein Team ist iMessage ein Gruppenchat mit Freunden. Mehr will er nicht sein.
Video
FaceTime hat inzwischen Links und läuft im Browser, sogar unter Windows und Android, wenn einem jemand einen Link schickt. Trotzdem Endkunde. Keine Terminplanung, die organisationsweit an Kalendern hängt, keine Aufzeichnungen dort, wo die IT sie findet, keine Warteräume, keine Moderationsrechte, die eine Firma abnicken würde. Es ist ein Anruf bei Oma, kein Montags-Standup mit zwölf Leuten und einem geteilten Foliensatz.
Aufgaben
Erinnerungen ist für mich richtig schön. Geteilte Listen, Orte, Abschnitte, ich nutze es täglich. Aber es ist persönliche Aufgabenverwaltung. Keine Projektansicht, keine Verfolgung über ein Team hinweg, kein echtes Board, kein Reporting. Eine Einkaufsliste mit Kanban-Ansicht, und das meine ich liebevoll. Microsoft 365 bringt Planner, To Do, Lists und Project mit, die alle miteinander reden. Apple liefert eine App, die euch ans Milchkaufen erinnert.
Die Admin-Konsole
Microsoft und Google geben euch beide einen Ort, an dem ihr jeden Menschen im Unternehmen verwaltet. Person hinzufügen, ein Klick, schon hat sie Mail, Chat, Dokumente und einen Kalender. Person entfernen, alles stirbt auf einmal. Eine Passwortregel setzen, sie gilt für alle. Sehen, wer worauf Zugriff hat.
Apple hat den Apple Business Manager. Der verwaltet aber Geräte. Er verteilt iPhones und Macs, rollt Apps aus, richtet Managed Apple IDs ein. Er betreibt nicht eure Mail, eure Meetings, eure Dateien, die Arbeit eures Teams. Apple verwaltet die Hardware. Die eigentliche Arbeit passiert woanders, und dieses Woanders heißt immer Microsoft oder Google.
Apple will das gar nicht
Apple braucht kein Apple Workspace. Das ganze Modell besteht darin, euch ein Gerät zu verkaufen. Software existiert, damit das Gerät den Kauf wert ist, nicht damit Apple zum Dienstleister wird, mit Support-Tickets und Verfügbarkeitsversprechen für irgendeine Firma in Castrop-Rauxel.
Ein Unternehmenspaket bedeutet Verträge, Service-Level, ein Vertriebsteam, Compliance-Audits und den Anruf um drei Uhr nachts, wenn die Mail ausfällt. Das wollte Apple nie. Es will den besten Laptop im Raum verkaufen und euch darauf laufen lassen, welche Suite ihr wollt. Apple gewinnt die Hardware und überlässt Microsoft und Google den Kampf um die Software. Beide Pakete laufen wunderbar auf einem Mac. Apple wird so oder so bezahlt. Das ist also kein Fehler, sondern eine Entscheidung. Ich wünschte nur, sie fiele anders aus, für mich. Wie so ein Paket aussehen könnte, habe ich getrennt durchgespielt, alle Teile liegen bei Apple längst bereit.
Europa schaut, aber nicht auf Apple
An einer Stelle zeigt sich das noch deutlicher. Wenn europäische Regierungen davon reden, von US-Software wegzukommen, greifen sie zu Nextcloud, LibreOffice, Open-Xchange, Matrix. Genau diese Werkzeuge ersetzen gerade Microsoft an den Schulen, und dieselbe Debatte läuft quer durch die Verwaltungen des Kontinents.
Apple ist da nie dabei. Nicht, weil Apple amerikanisch ist, sondern weil Apple einer Behörde, die ein verwaltetes Paket für Dutzende Leute braucht, nichts zu bieten hat. Es gibt kein Produkt, das man auch nur in Erwägung ziehen könnte. Wenn die Welt einen 365-Ersatz sucht, steht Apple nicht im Regal.
Die besten Zimmer, kein Bürogebäude
Ich liebe Apples Apps. Als einzelner Mensch fehlt mir fast nichts. In dem Moment, in dem wir zu zweit sind, öffne ich Google. Zu dritt denke ich über Microsoft nach. Apple baut die besten einzelnen Arbeitszimmer, in denen ich je gearbeitet habe. Es hat nur nie das Bürogebäude drumherum gebaut.

