Schulen werfen Microsoft raus, das sind die Alternativen

Burk Von Burk
Schulen werfen Microsoft raus, das sind die Alternativen

Die Geschichte der digitalen Souveränität in Europa bekommt viel Aufmerksamkeit, wenn Regierungen im Spiel sind. Deutschland wirft Microsoft raus, Dänemark steigt auf Linux um, der Internationale Strafgerichtshof ersetzt Office durch quelloffene Software.

Die Schulen sind Teil derselben Geschichte. Ein wichtiger Teil, über den seltener geredet wird. Dabei lohnt sich der Blick, gerade auf die Werkzeuge, die dort inzwischen zum Einsatz kommen.

Schulen sind ein Sonderfall

An Schulen geht es um Schülerdaten. Um die Daten von Minderjährigen. Und die behandelt die DSGVO strenger als gewöhnliche Geschäftsdaten. Dazu kommt der US-amerikanische CLOUD Act: Alles, was auf amerikanischen Plattformen liegt, ist für US-Behörden potenziell zugänglich, ganz gleich, wo die Server physisch stehen.

Im November 2022 hat Frankreichs Bildungsministerium den öffentlichen Schulen unmissverständlich gesagt: Schluss mit Microsoft 365 und Google Workspace. Beide verarbeiten in ihren Gratis-Tarifen Schülerdaten auf eine Weise, die europäische Vorgaben nicht erfüllt. Deutschland ging weiter, mehrere Bundesländer haben Microsoft 365 an Schulen aus Datenschutzgründen schlicht verboten. Sobald Kinderdaten im Spiel sind, ist der politische Wille, das auch durchzusetzen, deutlich größer.

Die Werkzeuge, die Microsoft ersetzen

LibreOffice ist das große. Kostenlos, quelloffen, offline, entwickelt von der Document Foundation, einer gemeinnützigen Stiftung mit Sitz in Berlin. Es deckt alles ab, was Microsoft Office kann, Textverarbeitung, Tabellen, Präsentationen, Datenbanken, und kommt mit .docx, .xlsx und .pptx zurecht. Es ist nicht so poliert, die Oberfläche wirkt etwas altbacken. Aber wenn eine Schule beibringen will, wie man eine Textverarbeitung benutzt, und nicht welche, reicht das mehr als aus. Schleswig-Holstein rollt es an 30.000 Lehrkräfte aus, Frankreich betreibt 500.000 Behörden-Arbeitsplätze damit, Italiens Verteidigungsministerium hat 150.000 Rechner darauf standardisiert.

OnlyOffice ist die Google-Docs-Variante. Es sieht aus wie Google Workspace, erlaubt das gemeinsame Bearbeiten in Echtzeit, läuft im Browser, fühlt sich vertraut an. Der Unterschied: Es kann komplett auf dem eigenen Server laufen, im eigenen Land, unter den eigenen Datenschutzregeln. Für Schulen ist es kostenlos. Wo Schüler zusammen an Dokumenten arbeiten sollen, ist es die nähere Entsprechung zu dem, was Microsoft 365 und Google Workspace tatsächlich bieten.

OpenDesk ist neuer und eigentlich für europäische Verwaltungen gebaut, taucht aber zunehmend auch an Bildungseinrichtungen auf. Es stammt vom deutschen Zentrum für Digitale Souveränität (ZenDiS) und bündelt quelloffene Bausteine zu einem Paket: Dateiablage, Videoanrufe, Messaging, Dokumentbearbeitung. Ein europäisch gebautes Microsoft 365, zusammengesetzt aus vorhandenen Open-Source-Teilen. Der Internationale Strafgerichtshof ist im November 2025 darauf umgestiegen, und Deutschland, Frankreich, Italien und die Niederlande stützen es gemeinsam. Was OpenDesk sonst noch kann und woran es hakt, habe ich im größeren Souveränitäts-Essay beschrieben.

Office EU schließlich ist das jüngste, gestartet im März 2026. Eine zu 100 Prozent europäisch besessene Cloud-Office-Suite. Server in Europa, Firma in Europa, kein US-Mutterkonzern, den ein amerikanisches Gericht zur Herausgabe von Daten zwingen kann. Noch ist das Produkt neu. Aber der Markt, auf den es zielt, ist offensichtlich, und das Timing ist kein Zufall.

Land für Land

In Deutschland ist Microsoft 365 an Schulen in mehreren Ländern aus DSGVO-Gründen verboten, Schleswig-Holstein nimmt seine 30.000 Lehrkräfte in den Open-Source-Umstieg mit, LibreOffice und OnlyOffice sind die Standardempfehlung. Frankreich rät seit 2022 offiziell von Microsoft 365 und Google Workspace für Schülerdaten ab, elf Ministerien laufen bereits auf LibreOffice. Dänemark hat im Januar 2026 eine neue quelloffene Schulplattform gestartet, hinter der schon 23 der 83 Kommunen stehen, und behandelt die Schulen als logischen nächsten Schritt nach der Verwaltung. Italien schiebt LibreOffice voran, die 150.000 standardisierten Rechner im Verteidigungsministerium dienen anderen Behörden als Vorbild.

Die Haken

Die Kompatibilität bleibt ein echtes Problem. Wer auf LibreOffice lernt, kommt gut zurecht, bis er mit jemandem zusammenarbeiten muss, der Microsoft Office nutzt. Dann fangen die Format-Konvertierungen an zu zicken. Nicht immer und nicht katastrophal, aber oft genug, um zu nerven.

Lehrkräfte müssen umgeschult werden, und das kostet Zeit, Geld und guten Willen. Google Workspace steckt zudem so tief im Alltag vieler Einrichtungen, gerade bei geteilten Laufwerken und Google Classroom, dass es zu ersetzen heißt, einen ganzen Arbeitsablauf zu ersetzen. Nichts davon ist unlösbar. Aber es dauert.

Umsonst war nie umsonst

Microsoft und Google haben ihren Anteil am Schulmarkt über zwanzig Jahre aufgebaut, indem sie ihre Produkte gratis oder fast gratis an Bildungseinrichtungen gegeben haben. Es hat funktioniert. Die meisten Kinder in Europa sind mit Microsoft- oder Google-Software großgeworden, das ließ diese Werkzeuge selbstverständlich wirken und einen Wechsel wie einen Verlust.

Geändert hat sich, dass das Gratis nie wirklich gratis war. Es kam mit Datenbedingungen, die europäische Aufsichtsbehörden nicht mehr hinnehmen wollen, bei Kindern schon gar nicht. Open Source war immer günstiger. Aber es geht nicht nur ums Geld, es ist auch die rechtlich sicherere Wahl. Diese Kombination bewegt die Dinge schneller als jedes Argument für sich. Was Europa daraus insgesamt bauen könnte, steht drüben bei burkhardrosemann.de.

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