Dänemark verlässt Microsoft, Schleswig-Holstein zieht mit

Burk Von Burk
Dänemark verlässt Microsoft, Schleswig-Holstein zieht mit

Microsoft Office will einfach nicht sterben.

Es hat Rezessionen überstanden, eine Pandemie, Disketten, Clippy und so manches mehr. Dänemark macht da nicht mehr mit.

Das Königreich wird quelloffen

Dänemarks Digitalisierungsministerium hat angekündigt, die Verbindung zu Microsoft komplett zu kappen. Kein Windows mehr, kein Office 365. Die Verwaltung soll auf Linux und LibreOffice laufen.

Ein ganzes Staatswesen sagt: danke, aber nein. Ich mag diese Entscheidung sehr.

Digitalisierungsministerin Caroline Stage tut nicht so, als wäre das ein Spaziergang. Sie bleibt pragmatisch: Läuft es schief, hält man inne und denkt neu. Aber, wie sie sagt, dem Ziel kommt man nie näher, wenn man nicht anfängt. Genau davon brauchen wir mehr.

Es geht um Kontrolle

Hinter dem Schritt steckt ein klares Ziel: digitale Souveränität. Dänemark will über die eigene Infrastruktur bestimmen, statt von der Lizenz eines US-Konzerns abzuhängen. Quelloffene Software verhält sich in vielem anders, und ein Unterschied wiegt schwer: Sie gehört niemandem allein, also kann sie auch niemand per Fernzugriff abschalten.

Aus dem Nichts kam das nicht. Es gab Weckrufe.

Die Weckrufe

Microsoft hat einmal das Konto eines Anklägers am Internationalen Strafgerichtshof stillgelegt, nachdem die USA Sanktionen verhängt hatten. Über diesen Fall und das Muster dahinter habe ich an anderer Stelle ausführlicher geschrieben: Wer die Konten hält, hält den Schalter.

Und dann war da Donald Trump, der allen Ernstes Grönland kaufen wollte. Grönland gehört, für die geografisch Neugierigen, zum Königreich Dänemark. Zwei Vorfälle, beide reichlich seltsam, beide mit derselben Lehre: Sich auf amerikanische Tech-Riesen zu verlassen, trägt ein Risiko in sich, sobald die eigene Strategie an den Anmelderechten eines anderen hängt. Bei der KI läuft es genauso.

Nicht nur Dänemark

Kopenhagen und die kleinere Schwester Aarhus haben eigene Open-Source-Initiativen gestartet. Und gleich hinter der Grenze, bei mir in Schleswig-Holstein, passiert dasselbe.

Schleswig-Holstein will rund 30.000 Arbeitsplätze in der Verwaltung auf quelloffene Alternativen umstellen. Word, Excel, Outlook, Teams, alles raus. LibreOffice, Open-Xchange und Linux, alles rein. Die Begründung ist dieselbe wie in Dänemark: Souveränität, Kontrolle über die eigenen Daten, nebenbei gespartes Geld. (Vielleicht auch ein paar Teams-Meetings weniger. Reine Spekulation, aber träumen wird man dürfen.)

Dass ausgerechnet mein Bundesland vorprescht, während der Bund noch tagt, finde ich bemerkenswert.

Office hält sich aus Trägheit

Bleibt die Frage, warum Microsoft Office 2026 überhaupt noch der Standard ist. Nicht, weil es Funktionen böte, die eine Behörde wirklich braucht.

Es hält sich, weil es vertraut ist. Weil es in Konzernverträgen mitgebündelt wird. Weil ein Wechsel sich riskant anfühlt, teuer und kompliziert. Excel gilt in manchen Abteilungen als unersetzlich, und viele Beschäftigte haben nie etwas anderes benutzt. Kompatibilitätsprobleme treiben die Leute zurück zu .docx und .pptx. Und ehrlich, die wenigsten ahnen, wie gut die Alternativen inzwischen sind. Oder sie ahnen es, und die Gewohnheit gewinnt trotzdem.

Dasselbe Spiel läuft beim Betriebssystem selbst. Windows ist heute eher Verkaufstrichter als Produkt, mit Werbung im Startmenü und einer KI, die mitliest, und genau das treibt die Leute zu Linux und Mac.

Leicht wird es nicht

Diese Umstellung wird kein Selbstläufer. LibreOffice ist nicht perfekt. Linux hat eine Lernkurve. Es wird haken, es wird Beschwerden geben. Irgendwer wird „ich vermisse Outlook" sagen, und irgendwer anders wird viel zu oft fragen, ob man es schon mal aus- und wieder eingeschaltet hat.

Auf lange Sicht aber könnte das andere Länder, Städte und Organisationen dazu bringen, ihre eigenen digitalen Abhängigkeiten zu überdenken. Und das ist meistens eine gute Sache.

Was wir daraus mitnehmen

Wir regieren kein Land. Trotzdem steckt darin eine Lehre, auch für Einzelne, Freelancer, kleine Betriebe: Ihr müsst nicht für immer die Software benutzen, die ihr schon immer benutzt habt.

Es gibt bessere, günstigere, freiere Optionen. Die Welt hat sich gedreht, die Werkzeuge sind so gut wie nie, und Open Source ist längst nichts mehr für Bastler allein, sondern läuft in Regierungen. Wenn Dänemark und Schleswig-Holstein das hinbekommen, bekommen wir es vielleicht auch hin. Wer wissen will, was Europa stattdessen aufbauen könnte, findet bei burkhardrosemann.de den praktischen Gegenpart.

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