Windows ist nur noch das viertbeste Betriebssystem

Burk Von Burk
Windows ist nur noch das viertbeste Betriebssystem

Ich bin mit Windows groß geworden. Späte Neunziger, frühe Zweitausender. Windows XP war großartig. Danach ging es bergab.

Microsoft erzählt uns ständig, Windows entwickle sich weiter. Da bin ich nicht so sicher. Es fühlt sich eher nach Rückentwicklung an. Inzwischen verkauft die Firma Windows 11 als „Leinwand für KI" und „agentisches Betriebssystem". Agentisch, ach ja, wir lieben unsere Schlagworte.

Die Wahrheit ist: Windows fühlt sich seit Langem nicht mehr nach „meinem" Computer an. Eher so, als hätte Microsoft Platz in meiner Maschine vermietet und stelle immer neue Mieter rein. Werbung im Startmenü. Zwangskonten online. Der ständige Schubs Richtung OneDrive. Erzwungene Updates. Und jetzt eine KI, die mir überall über die Schulter schaut. Schlecht gemacht obendrein.

Die guten alten Zeiten

Wie gesagt, ich bin mit Windows aufgewachsen, viele von uns. Windows XP fühlte sich buchstäblich nach Zuhause an. Windows 7 war in Ordnung. Ab da wurde die Strecke holprig. Vista war ein Desaster. Windows 10 startete chaotisch und wurde mit der Zeit brauchbar. Aber Windows 11, gerade in letzter Zeit, ist etwas anderes geworden. Etwas, das uns weniger wie Nutzer behandelt und mehr wie Datenpunkte.

Microsoft ist das egal

War es schon immer, und jetzt erst recht. Denn finanziell läuft es blendend. Microsoft ist rund 3,8 Billionen Dollar wert und marschiert Richtung 5. Der Aufstieg begann, als Satya Nadella 2014 übernahm und das ganze Geschäft auf Cloud, Azure und Unternehmensdienste drehte.

Da liegt das Geld. Nicht in Omas Laptop, nicht bei Indie-Kreativen, nicht bei euch, nicht bei mir, nicht bei irgendwem ohne Geschäftskundennummer. Microsoft war immer ein B2B-Laden, und das sieht man, mehr denn je. Sobald man das verstanden hat, ergibt Windows 11 plötzlich Sinn.

Windows 11 ist ein Verkaufstrichter

Es ist nicht für uns gebaut. Es ist gebaut, um uns in Microsoft-Konten, Abos, Cloud-Speicher und Copilot-Funktionen zu lotsen, die uns im Ökosystem festhalten. Das Betriebssystem ist im Grunde ein Verkaufstrichter.

Nehmt die Werbung. Ihr könnt für Windows bezahlen und bekommt trotzdem Werbung. Im Startmenü. Im Datei-Explorer. Als „Empfehlung" getarnt. Stellt euch vor, ihr kauft ein Auto und das Armaturenbrett spielt gesponserte Inhalte vom Zulieferer aus. So leben wir jetzt.

Oder die erzwungenen Updates. Wer „nicht jetzt" klickt, dem liest Windows das offenbar als „bitte sofort". Und wenn das Update die Maschine kurz vor einer Deadline lahmlegt, ist das euer Problem.

Ausgesperrt

Bei bloßem Nerven blieb es nicht. Microsoft hat Leute auch ausgesperrt. Als der Support für Windows 10 endete, waren noch rund 400 Millionen Nutzer darauf. Viele wollten umsteigen und konnten nicht, weil Windows 11 eine Hardware-Hürde mitbrachte: TPM 2.0.

Auf dem Papier ein Sicherheitschip, in der Praxis ein Türsteher. Völlig intakte Rechner galten plötzlich als „nicht kompatibel". Mehrkern-Prozessor, reichlich RAM, egal, ohne diesen winzigen Chip sagte Windows: nein, du nicht. Derselbe Chip speichert eine Hardware-Identität, die direkt an euer Microsoft-Konto hängt. Lässt sich weder ändern noch entfernen, eine Seriennummer für eure digitale Seele. „Sicherheit verbessern" heißt jetzt „alles für immer wissen".

Recall

Womit wir bei Recall wären, der KI-Funktion, die euren Bildschirm alle paar Sekunden abfotografiert, damit ihr „eure Erinnerungen durchsuchen" könnt. Wer denkt sich so etwas aus. Es klingt nach einer Black-Mirror-Folge, und tatsächlich fanden Sicherheitsforscher, dass Schadsoftware an die Recall-Datenbank kommen könnte. Bankdaten, private Nachrichten, alles.

Microsoft sagte: ganz ruhig, das läuft lokal. Technisch stimmt das. Nur hindert nichts die KI daran, eure lokalen Daten auszuwerten und Erkenntnisse zu melden, ohne dass ihr es merkt. Lokal ist eben nicht gleich privat. Genau diese Lücke habe ich bei der KI ausführlicher beschrieben.

Die Leute wechseln

Microsoft wird das auf die harte Tour lernen. Menschen wechseln, Firmen auch. Es dauert nur länger und kostet mehr Mühe.

Auf der einen Seite die Linux-Gemeinde, schon immer die stille Coole. Transparenz und Kontrolle. Linux kann viel, lässt sich längst leicht installieren, hat reichlich Apps, und dank Proton und Steam ist es sogar fürs Spielen erstaunlich gut geworden. Auf der anderen Seite macOS, für alle, die ein System wollen, das einfach läuft. Die M-Chips haben das besiegelt. Ganze Staaten ziehen gerade dieselbe Konsequenz und steigen auf quelloffene Systeme um, Dänemark zum Beispiel.

Ja, Windows hält noch den Markt, etwa 70 Prozent. Aber es bröckelt. Langsam.

Das viertbeste Betriebssystem

Wer benutzt also noch Windows? Ehrlich: Leute, die müssen. Gamer, Büroangestellte, alle, deren Firma sie in Windows-spezifische Software gesperrt hat. Windows ist nicht dominant, weil die Leute es lieben, sondern weil es überall ist und Jahrzehnte Schwung mitbringt. Aber Schwung ist nicht alles. Von Windows Phone weiß Microsoft das.

Und ja, Apple ist nicht perfekt, weit davon entfernt, Linux auch nicht. Aber es gibt gerade deutlich bessere Optionen als Windows 11. Selbst ChromeOS ist für die passenden Leute die bessere Lösung. Das macht Microsoft zum viertbesten Betriebssystem im Moment.

Windows stirbt nicht, dafür steckt zu viel Geld drin. Aber es nervt: der KI-Hype, die Zwangskonten, die Werbung, die Überwachung light, die Updates, die den Rechner kapern, das Gefühl, dass der Computer nicht mehr euch gehört. Das summiert sich. Und viele gehen, manche zu Mac, manche zu Linux, manche zu ChromeOS, manche lassen den Desktop ganz hinter sich. Das ist eine gute Sache.

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