Verbindet eine eigene Domain mit allem, was geht

Burk Von Burk
Ein Netz aus verbundenen Knotenpunkten schwebt vor hellblauem Hintergrund
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Verbindet die Domain, nicht die Website. Diesen Punkt habe ich hier schon ein paarmal gemacht. Er hält, finde ich zumindest. Manche sehen das anders. Auch gut.

Wenn die eigene Domain also euer Ziel ist, dann folgt daraus genau ein Schritt: Verbindet eine eigene Domain mit allem, was das zulässt. Das kann einen riesigen Unterschied machen. Auch wenn es am Anfang erst mal schlechter läuft.

Hört mir kurz zu.

Fast überall geht das

Die meisten Plattformen lassen euch heute eine eigene Domain anbinden.

Substack kann das. Medium kann das, auch wenn sich das über die Jahre ein paarmal hin und her geändert hat, ich bin gerade ehrlich nicht sicher, ob es aktuell geht. Ghost, Beehiiv, Gumroad, sogar eine Notion-Seite. Richtet euren eigenen Namen auf jede davon. Viele machen es trotzdem nicht, aus zwei Gründen:

  1. Eine Domain kostet ein bisschen was.
  2. Sie wissen gar nicht, dass es geht.

Sobald die Domain verbunden ist, gehört euch die Adresse. In dem Sinne, dass ihr bestimmt, wohin sie zeigt.

eurename.de fürs Schreiben. Nicht eurename.substack.com. Nicht medium.com/@ihr.

Die Plattform übernimmt weiter Hosting, Design, Versand. Ihr hängt nur euren Namen an die Tür. Und das ist eine große Sache, weil ...

Sie zieht mit

Das ist der ganze Punkt. Ihr könnt jede Plattform verlassen und zur nächsten gehen. Und eure URLs kommen mit.

Angenommen, Substack ändert 2027 etwas, das euch nicht passt. Ihr wechselt zu Ghost. Ihr stellt die DNS um. Eure Leserinnen und Leser tippen denselben Namen und landen am selben Ort. Die Links, an denen ihr jahrelang gebaut habt, funktionieren weiter. Der Google-Traffic? Bleibt.

Versucht das mal ohne Domain.

An dem Tag, an dem ihr geht, ist eurename.substack.com eine Sackgasse. Jeder Share, jeder Backlink, jeder alte Link in irgendeinem Lesezeichen, weg, ab in den 404.

Das ist das Argument vom „gemieteten Land". Ganz stimmt es nicht, finde ich, denn am Ende ist alles gemietet. Eine Domain auch. Aber die Wahrscheinlichkeit, sie zu verlieren oder rausgeworfen zu werden, ist bei einer Domain kleiner als etwa bei Medium. Leute fliegen von Medium. Von einem Domain-Anbieter fliegt kaum jemand. Möglich ist es, klar. Aber eher unwahrscheinlich.

Aus dieser Warte ist die Domain die Adresse, die euch „bleibt", wenn ihr auszieht.

SEO

Eine Domain, die ihr seit Jahren haltet, sammelt an:

  • Backlinks.
  • Erwähnungen.
  • Index-Alter.
  • Google fängt an, ihr zu vertrauen.

eurename.de, das auf Substack zeigt, schlägt eurename.substack.com, bei exakt demselben Text dahinter. Die Autorität gehört euch, nicht der Plattform. Und wenn ihr umzieht, kommt sie mit.

ABER: Am Anfang ist eine frische eigene Domain natürlich viel schlechter platziert als eine Substack-Subdomain. Heißt, am Anfang kann euer Traffic sogar schlechter sein. Das Risiko müsst ihr eingehen. Auf Dauer aber wird die eigene Domain euer größtes Kapital.

Über das „Besitzen"

Die Domain gehört euch auch nicht. Ich habe es eben schon angedeutet.

Ihr mietet sie. Jährlich, bei einem Registrar, der einer Registry untersteht, die der ICANN untersteht. Verpasst eine Verlängerung, und sie ist vielleicht weg. Oder schlimmer, jemand schnappt sie sich und freut sich über all eure Vorarbeit.

Wenn ich also „besitzt eure Domain" sage, mogle ich ein bisschen. Ihr besitzt sie ungefähr so, wie ihr euren Substack besitzt. Ihr mietet sie von jemandem weiter oben in der Kette. Der Unterschied ist nur, dass diese eine Miete mit euch mitzieht.

Das ist der Punkt. Nicht Besitz. Portabilität.

Noch eine Etage höher

Und es geht höher als bis zum Registrar.

.com läuft über Verisign, eine US-Firma, unter US-Recht. Domains werden per Gerichtsbeschluss beschlagnahmt, das ist oft genug passiert. Sanktionen können ein ganzes Land aus dem Namenssystem kippen.

Wollten die USA also morgen einen Ort aussperren, und mit der aktuellen Regierung ist das nicht das Abwegigste, dann ist eure „eigene" .com einen Beschluss davon entfernt, ins Leere zu zeigen. Genau wie die Plattform. Genau wie alles andere.

An dem Punkt hat niemand irgendwas besessen. Wir haben die ganze Zeit von derselben Kette gemietet.

Ehrlich, ich würde Trump nichts anvertrauen. In dem Sinn ist alles, was ich online tue, ziemlich „gemietet" und ganz sicher nicht besessen.

Ein Vorteil von .de

Hier lohnt der Blick auf die Endung. Bei .com hängt ihr an einer US-Firma und damit am US-Recht. Bei .de sitzt die Registry, die DENIC, in Frankfurt, unter deutschem und europäischem Recht. Unangreifbar macht euch das nicht, eine Domain bleibt eine Domain. Aber wer ohnehin über digitale Souveränität nachdenkt, für den ist die Endung kein Detail. Eine .de sitzt ein Stück näher an „hier" als eine .com.

Unterm Strich

Verbindet die eigene Domain. Mit allem. Mit allem, was geht.

Sie ist das beweglichste Stück, das ihr habt, und die Plattform zu wechseln, ohne eure Adresse zu verlieren, ist eine Menge wert.

Lasst nur das Wort „besitzen" weg. Ihr mietet einen Namen, mit dem ihr wechseln könnt, was ihr sonst noch alles mietet. Das ist ein guter Deal. Der beste, den wir gerade haben.

Bis das Namenssystem selbst eines Tages dunkel wird. Dann stellt sich heraus, dass keiner von uns je etwas besessen hat.

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