Ich baue Apps. Kleine.
Meistens Nischen-Apps. Hier ein Werkzeug, da ein kleines Utility. Ein paar habe ich veröffentlicht, sie laufen ordentlich. Nichts Großes.
Das ist okay. Ich bin kein Vollzeit-Entwickler, das ist der Punkt. Ich mache es, weil ich es mag. Und KI-Coding-Agenten haben mir enorm geholfen. Ich komme eigentlich aus dem Webdesign, App-Entwicklung war neu für mich. Die KI hat es mir leicht gemacht.
Genau das heißt aber auch: Die Mitte wird rau. Die Indie-Entwickler, die die App- und Play-Stores zu dem gemacht haben, was sie sind, verschwinden. Der Indie-Entwickler stirbt.
Die App-Mittelschicht
Im App Store liegen rund zwei Millionen Apps. Bei Google Play noch mehr.
Man könnte also denken, da ist Platz. Ist da auch. Nur nicht so verteilt, wie man hofft.
Die meisten Apps verdienen fast nichts. Ein riesiger Teil wird kaum heruntergeladen. Zombie-Apps nennt man die. Im Store gelistet, faktisch tot.
Und das Geld sitzt ganz oben. Das oberste Prozent der Anbieter zieht den Großteil der Umsätze, habe ich gelesen. Die bekannten Namen. Die Spiele mit den Lootboxen. Ein paar Abo-Riesen.
Wenn eine Handvoll Apps fast alles abräumt, wisst ihr, was für den Rest übrig bleibt.
Dieselbe Form wie in der Creator-Economy. Dieselbe Form wie die Lohnschere. Wenige ganz oben, viele unten, die fast nichts verdienen, die Mitte von beiden Seiten gequetscht.
Eine Mittelschicht gibt es kaum noch.
Apple nimmt sich seinen Anteil
Vor all dem steht die Steuer.
Apple nimmt 30 Prozent von dem, was ihr einnehmt. 15 Prozent, wenn ihr unter einer Million im Jahr bleibt, also die meisten von uns. Google macht es inzwischen ähnlich.
Der Indie in der Mitte gibt also einen Batzen ab, bevor Miete, bevor Steuern, bevor die vielen unbezahlten Stunden überhaupt verrechnet sind.
Die Großen verhandeln. Sie haben Anwälte und Hebel. Die Mitte zahlt den Listenpreis.
Und weil heute alles am Abo hängt und gleichzeitig jeder Abo-Müdigkeit hat, ist das Erlösmodell für die Kleineren nicht eben freundlich.
In der EU hat der Digital Markets Act Apple seit 2024 zur Öffnung gezwungen, alternative App-Marktplätze, andere Bezahlwege. Gerettet hat das die Mitte bisher kaum: Neue Gebühren und Auflagen kamen oben drauf, und der Aufwand lohnt vor allem für die Großen.
Niemand findet euch
Bei den meisten Apps ging es nie nur um die App selbst. Es ging ums Gefundenwerden.
Rund zwei Drittel der Downloads beginnen mit einer Suche im Store. Der Rest kommt über die Charts und darüber, dass Apple euch featured.
Heißt: Wer nicht rankt und nicht gefeatured wird, existiert praktisch nicht. Genau wie bei SEO. Wer sichtbar ist, hängt an der Plattform, der gleiche Schalter wie bei der KI.
Die Charts belohnen das, was ohnehin schon gewinnt. Große Budgets, große Werbeausgaben, große Launches. Die solide kleine App, die eine Sache gut macht, verschwindet unter fünfzig Klonen mit besseren Store-Einträgen.
Früher reichte gut. Etwas bauen, das Leute brauchen, in der Suche auftauchen, jahrelang gefunden werden. Heute geht es um Werbebudgets, Bewertungs-Trichter und das Austricksen des Algorithmus.
Dann ist da die KI
Früher brauchte es echtes Können, um eine App zu veröffentlichen. Das war der Burggraben. Heute vibe-codet sich jeder an einem Wochenende etwas zusammen und schiebt es in den Store. Großartig, bis man die Flut sieht.
Die Stores füllen sich mit KI-generierten Slop-Apps. Schlimmer als KI-Slop beim Schreiben, weil Apps mehr Schaden anrichten können. Billige Klone, Hüllen um ChatGPT, dieselbe To-do-App tausendfach.
Für den Indie in der Mitte ist das das Schlechteste aus beiden Welten. Die Hürde, die euch geschützt hat, ist weg. Und der Lärm, aus dem ihr herausragen müsst, ist deutlich lauter geworden.
Wie gut Websites und Apps aus dem KI-Baukasten wirklich werden, und wo es kippt, habe ich hier aufgeschrieben.
Es zermürbt
Wenn jemand „40.000 Dollar MRR mit meiner kleinen App" postet, soll das inspirieren. Meistens.
Für die Mitte tut es das nicht. Weil sie näher dran ist, als es sich anfühlt, aber die Lücke riesig aussieht. Und die Zweifel kommen. Falsche Idee? Falsche Nische? Soll ich an alles ein Abo schrauben, Werbung schalten, dem Trend hinterherlaufen?
Ich glaube nicht, dass es Neid ist. Eher das Gefühl, sorgfältig zu arbeiten und dabei zuzusehen, wie die Charts so tun, als wäret ihr nicht da.
Die Mitte macht die Arbeit. Die Spitze automatisiert und kauft sich Downloads. Der Boden kippt Slop rein. Die Mitte beantwortet die Support-Mails, fixt den Bug, baut das Ding, das die Leute auf dem Homescreen behalten. Für wenig Geld und wenig Hoffnung auf mehr.
Die andere Seite
Die Indie-Mitte stirbt an einer Stelle und hält an einer anderen.
Sie stirbt beim Austauschbaren. Den Klonen, den Hüllen, den Apps, die eine Maschine bis zum Mittag ausspuckt.
Sie hält dort, wo Handwerk sichtbar bleibt. Eine echte App, gebaut von jemandem, dem sie etwas bedeutet, der die Leute vertrauen und für die sie weiter zahlen. Diese Idee vibe-codet niemand über Nacht.
Das ist, was der Mitte bleibt. Geschmack. Eine Idee, eine Nische, eine echte Lücke. Und ein Mensch, der eure App wirklich mag. Vertrauen, das ihr mit Werbebudget nicht kaufen könnt. Meistens.
Die Mitte baut das Gute
Den Indie-Entwickler drückt es von allen Seiten zugleich. Die Gebühr, die Charts, die KI-Flut und eine Kultur, die die Kamera nur auf die Einhörner hält.
Dasselbe habe ich über Autoren geschrieben, das Sterben der kreativen Mittelschicht. Es ist dieselbe Geschichte aus einer anderen Perspektive.
Die Leute in der Mitte bauen das gute Zeug. Sie können nur nicht davon leben.

