Drei Schritte gegen KI-Slop

Burk Von Burk
Viele glänzende blaue AI-Schriftzüge in 3D auf senfgelbem Hintergrund
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Ihr kennt KI-Slop, wenn ihr ihn seht. Ein KI-Problem ist er aber nicht. Eingabe, Ausgabe: Steckt etwas Schlechtes hinein, einen generischen Prompt zum Beispiel, kommt etwas Schlechtes heraus.

Trotzdem laufen die Feeds damit voll. Wie weit das inzwischen geht, habe ich an anderer Stelle aufgeschrieben, und die Zahlen sind unschön.

Und trotzdem nutze ich KI jeden Tag. Für Recherche, für Entwürfe, für die langweiligen Automatisierungs-Teile. Wie also veröffentliche ich damit, ohne selbst Slop zu produzieren?

Bei mir sind es drei Schritte. Kein Geheim-Prompt, den ihr für 29 Dollar kaufen müsst, versprochen.

Ideen

Der Slop beginnt, bevor das erste Wort geschrieben ist.

Fragt ein Modell nach „10 Blogartikel-Ideen zum Thema Produktivität", und ihr bekommt dieselben zehn Ideen wie alle anderen. Das Modell ist nicht faul. Es haben nur tausende Leute heute dieselbe Anfrage getippt, in dieselben Modelle, trainiert auf denselben Texten. Das Generische ist da fest eingebaut.

Die Währung sind jetzt Ideen.

Meine kommen aus der eigenen Arbeit, aus einem Kommentar unter dem letzten Beitrag, aus einer Suchanfrage in der Google Search Console, oder aus dem Ding, das mich an einem Dienstag geärgert hat. Diese Idee bringe ich dann zur KI, nicht umgekehrt.

Dieses Detail ändert eine Menge.

Je mehr vom Denken ihr abgebt, desto generischer wird das Ergebnis.

Zum Weiterentwickeln einer Idee ist KI brauchbar. Löcher hineinstechen, Zahlen suchen, das Argument sortieren. Aber sie die Idee haben zu lassen, da fängt der Slop an. Nicht die KI macht Texte langweilig, das machen wir.

Regeln

Ab Werk schreibt ein Modell in seiner Standardstimme. Das ist die Stimme von allen. Also von niemandem. Sie klingt generisch. Muss sie ja. Ergibt Sinn.

Der zweite Schritt: dem Modell sagen, wer ihr als Schreiber seid.

Nicht jedes Mal neu im Prompt, sondern an einer Stelle, die es immer mitliest. Bei Claude heißt das Skill, ChatGPT hat Custom Instructions und CustomGPTs, Gemini hat Gems. Der Name ist egal. Es ist eine Datei mit euren Regeln. Regeln für Stimme, Stil, Ton, Wortwahl, verbotene Phrasen und mehr.

Meine ist über Monate gewachsen. Ordentlich. Verbotene Wörter (kein „zudem", kein „nahtlos", und bei mir: keine Gedankenstriche). Wie lang meine Absätze laufen. Wo ich relativiere und was ich nicht behaupte. Formulierungen, die ich nicht mag und nie wieder sehen will. Jedes Mal, wenn mich eine Korrektur zweimal nervt, wandert die Regel in die Datei. Und ja, inzwischen sind das viele Dateien.

Diese Dateien bringen mehr als jedes Modell-Upgrade, das ich bisher probiert habe.

Eine Gewohnheit, kein einmaliges Einrichten. Und es dauert, bis es sitzt.

Redigieren

Dann der letzte Schritt.

Lest das Ganze, bevor ihr es veröffentlicht. Viele machen das nicht. Automatisieren… und gehen.

Aber wenigstens einmal, wenigstens schnell: Lest das Ding.

Streicht, was ihr laut nie so sagen würdet. Prüft Zahlen und Behauptungen (von mir aus mit einer zweiten KI), denn Modelle erfinden weiter Dinge, mit voller Überzeugung. Ergänzt, was nur ihr ergänzen könnt: einen Witz, das Detail aus der eigenen Woche, solche Sachen.

Zehn Minuten ändern viel. Der Unterschied zwischen „das hat eine KI geschrieben" und „das habe ich geschrieben, mit KI" kann riesig sein. Und man sieht ihn.

Die Haken, natürlich

Zeit, zuerst.

Drei Schritte kosten welche. Slop ist ein Prompt und ein paar Minuten. Das ist ja der Reiz an der Sache, das verstehen wir alle. Wer zwanzig Beiträge am Tag raushaut, schafft von diesen drei Schritten nicht viel. Man wird es dem Ergebnis ansehen.

Die Regel-Datei wird nie fertig. Meine wächst weiter, und ein paar Muster rutschen trotzdem durch. Das nervt.

Und: Ihr braucht eine Stimme, die sich beschreiben lässt. Wer nie ohne KI geschrieben hat, hat noch nichts, das in die Datei könnte. Dann startet sie fast leer und füllt sich beim Redigieren.

Unterm Strich

Die Modelle schreiben ordentlich. Alle paar Monate besser, vermutlich.

Was sie nicht können: eure Idee haben, eure Stimme kennen, oder sich darum scheren, ob die Sache stimmt. Diese drei bleiben bei uns. Ich habe vor einer Weile geschrieben, dass etwas zu sagen zu haben jetzt die eigentliche Arbeit ist. Die drei Schritte bauen darauf auf.

Viel Arbeit ist es nicht. Weniger als vor der KI. Aber eben Arbeit. Und zwar die, die viele nicht machen wollen.

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