Blog-Plattformen, die kaum jemand kennt

Burk Von Burk
Drei gestapelte Fensterkarten, die verschiedene Orte zum Veröffentlichen andeuten
Eigene Grafik

Sagt „Bloggen", und den meisten fallen dieselben drei Namen ein. WordPress. Medium. Substack. Die habe ich an anderer Stelle verglichen.

Hier geht es um die anderen Orte. Die, auf denen ihr lange Texte veröffentlichen könnt, die aber kaum jemand einen Blog nennen würde.

Twitter / X

Twitter lässt Premium-Nutzer inzwischen sehr lange Beiträge schreiben, in den Zehntausenden von Zeichen. Die genaue Grenze hat sich über die Jahre verschoben, sie liegt irgendwo um die 25.000 (Stand 2026). Das sind rund 4.000 Wörter. Ein ganzer Artikel in einem Tweet.

Nur schneidet die Timeline weiter nach etwa 280 Zeichen ab und klappt den Rest hinter „Mehr anzeigen". Die erste Zeile macht die ganze Arbeit. Alles danach liest nur, wer entschieden hat, dass diese Zeile den Fingertipp wert war.

Für wen: für alle, die auf X schon eine Followerschaft haben. Der lange Post lebt vom Publikum, das ihr euch aufgebaut habt, und vom Haken oben. Von null gestartet, landen 4.000 Wörter vor fast niemandem. Das gilt zwar fast überall, aber X hat über Antworten und Reposts wenigstens etwas eingebaute Sichtbarkeit.

LinkedIn

LinkedIn ist der überraschende Fall. Ein normaler Post mit externem Link wird gerade ausgebremst, viele berichten von etwa der Hälfte der Reichweite oder weniger (Berichte aus der Creator-Szene). Bestätigt hat LinkedIn keine Zahl, aber man merkt es. Artikel und Newsletter trifft es nicht. Auf die setzt LinkedIn als eigene Wachstumsmotoren.

Eine Newsletter-Ausgabe landet direkt bei euren Abonnenten, per Mail und Benachrichtigung. Und LinkedIn spielt lange Artikel seit ein, zwei Jahren wieder aus. Die Langform-Seite von LinkedIn läuft nach anderen Regeln als der Feed, den alle im Kopf haben.

Für wen: für Berufliches. Gerade in Deutschland, wo ein großer Teil des B2B-Austauschs auf LinkedIn stattfindet. Wenn ihr über eure Branche schreibt und eure Leser Kunden, Kollegen oder Recruiter sind, scrollen die ohnehin hier. Beratung, Selbstständige, B2B-Gründer, alle, die sich in einem Fach einen Namen machen. Für einen persönlichen Essay oder Fiktion das falsche Publikum.

Telegraph

Dann gibt es Telegraph, unter telegra.ph. Von Telegram gebaut. Ihr öffnet die Seite, tippt einen Titel, schreibt, veröffentlicht. Kein Konto, keine Anmeldung, nichts zu verwalten.

Es läuft seit Jahren und tut es noch, auch wenn Telegram nachgezogen hat und etwa neue Bild-Uploads gesperrt hat, nachdem die Anonymität missbraucht wurde. Für einen reinen Text, den ihr in unter einer Minute online haben wollt, gibt es kaum etwas Schnelleres.

Für wen: für den Einmal-Fall. Ein Text, für den ihr nur einen Link braucht, etwas für eine Telegram-Gruppe, etwas, das online soll, ohne euren Namen dranzuhängen oder ein Zuhause dafür zu bauen. Niemand abonniert einen Telegraph. Es ist ein Veröffentlichen-und-weiter, keine Basis, die wächst.

Notion

Notion veröffentlicht auch. Jede Seite wird zur öffentlichen Website, und seit 2024 könnt ihr eine eigene Domain draufsetzen, mit SEO-Grundlagen und Autorenseiten. (Sauberes RSS braucht meist noch ein Drittanbieter-Tool.) Manche führen darauf echte Blogs.

Wenn ihr ohnehin in Notion schreibt, wird aus der Seite, in die ihr getippt habt, die Seite, die andere lesen. Kein Export, kein zweites Werkzeug.

Für wen: für alle, die sowieso in Notion leben. Liegen Notizen, Entwürfe und Dokumente dort, ist Veröffentlichen ein Klick, und eine pflegeleichte eigene Seite oder ein öffentliches Wissensarchiv fällt gratis mit ab. Was Notion euch nicht gibt, ist ein Publikum. Es gibt keine Entdeckung, die Leser bringt ihr selbst mit.

Dev.to und Hashnode

Wenn ihr Technisches schreibt, kommen Dev.to und Hashnode mit einer Entwickler-Leserschaft, die schon da ist. Kostenlos, ordentliches SEO, und das Publikum ist der ganze Punkt. Die meisten Nicht-Entwickler haben von beiden nie gehört. Was auch ein Vorteil sein kann.

Für wen: ergibt nur Sinn, wenn ihr Code schreibt, oder über Code. Ein Tutorial oder ein Entwickler-Log findet hier schnell Leser. Alles andere findet keine.

Beehiiv

Beehiiv ist eine Newsletter-Plattform von ehemaligen Morning-Brew-Leuten. Kein Anteil an euren Abo-Einnahmen, stattdessen eine feste Monatsgebühr, dazu ein Werbenetzwerk und ein Empfehlungssystem eingebaut. Substack nimmt zum Vergleich rund 10 Prozent (Stand 2026).

Es steht in den meisten Vergleichen neben Substack, ist also weniger versteckt als der Rest dieser Liste. Aber außerhalb der Newsletter-Welt haben viele Schreibende es nie geöffnet.

Für wen: um einen Newsletter wie ein Geschäft zu führen und mit einem Blog zu verbinden. Wenn ihr auf Wachstum und Geld jenseits von Abos aus seid, sind Werbenetz, Empfehlungen und der fehlende Umsatzanteil gute Gründe. Wollt ihr einfach schreiben und auf Senden drücken, ist es mehr Maschine, als ihr braucht.

Unterm Strich

Die Plattformen mit eingebautem Publikum belohnen Texte, die für sie gemacht sind. Ein Thread als Thread geschrieben, ein LinkedIn-Artikel für LinkedIn geschrieben. Kippt ihr einen unveränderten Blogpost hinein, fällt er meist flach. Entdeckung ist auf diesen Plätzen nicht tot, sie zündet nur nicht für Langform, die einfach so herumliegt.

Keiner dieser Orte ist eure eigene Seite, das ist eine andere Sache.

Aber wenn Leute an Bloggen denken, denken sie an drei Namen. Schreiben passt an viel mehr Orte, als wir glauben.

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