Vor zehn Jahren war eine Website ein echtes Projekt. Entweder habt ihr programmieren gelernt, was Monate dauerte. Ihr habt euch mit Baukästen herumgeschlagen, die damals noch starr waren. Oder ihr habt jemandem ein paar Tausend Euro bezahlt, um es für euch zu erledigen.
Nichts davon hat Spaß gemacht.
Diese Welt existiert nicht mehr. 2026 könnt ihr an einem Nachmittag kostenlos eine echte Website ins Netz stellen, komplett ohne Code. Ihr könnt eine ganze Web-App für den Preis von zwei Kaffee im Monat betreiben. Wer heute etwas im Netz macht und noch keine eigene Seite hat, entscheidet sich bewusst dagegen. Technik und Budget sind keine Ausrede mehr.
Aber eine eigene Website ist heute wichtiger als früher. Sie ist das einzige Stück Internet, das euch tatsächlich gehört. Instagram kann morgen die Regeln ändern. Eure Domain zieht einfach mit.
So würde ich es heute angehen, je nachdem, was ihr vorhabt.
Kostenlos anfangen
Für den Anfang reicht oft eine einfache Profilseite.
Ich nutze dafür Carrd. Ihr könnt aber genauso gut Pop Site oder andere kleine Baukästen verwenden.
Der Start kostet nichts, und zwar wirklich nichts, nicht nur als siebentägige Testversion. Ihr wählt ein Layout, fügt eure Links, Kanäle und ein Kontaktformular ein. Vielleicht noch einen kurzen Über-mich-Text, und die Seite ist live.
In fünfzehn Minuten steht das Grundgerüst.
Das muss keine langweilige Linkliste sein. Viele nutzen diese Tools für Portfolios, kleine Firmenpräsenzen oder für ein einziges Produkt. Dann verweist ihr aus eurer X- oder LinkedIn-Bio darauf.
Geld kosten dort meistens erst die eigene Domain oder zusätzliche Seiten. Wer einfach nur sichtbar sein will, fängt am besten genau hier an.
Framer
Wenn die Seite gestaltet aussehen soll, ist Framer eine gute Wahl.
Das ist ein visueller Baukasten. Wer schon mal Figma oder Canva bedient hat, findet sich sofort zurecht. Ihr zieht Elemente auf die Fläche und klickt auf Veröffentlichen. Das Ergebnis ist eine fertige Website samt Hosting, Content-Management-System und eingebauter Suchmaschinenoptimierung. Das ist nicht ganz so simpel wie Carrd, aber viel einfacher als alles vor zehn Jahren.
Framer punktet bei der Ästhetik. Die Vorlagen aus dem Marktplatz sehen aus wie Agenturarbeit. Ihr nehmt ein Template, tauscht die Inhalte aus und seid an einem Tag fertig.
Für Unternehmen passt das gut. Ein Restaurant, ein Studio oder Freelancer, die professionell auftreten wollen, zahlen zehn Euro im Monat für die Basisversion, dreißig für die Pro-Stufe. Wer ein Geschäft führt, für den sind dreißig Euro für eine Seite, die einfach funktioniert und nie ausfällt, eine lohnende Ausgabe.
Ihr müsst nicht über Hosting nachdenken. Alles läuft an einem Ort. Darin liegt der eigentliche Wert.
WordPress
Leute schimpfen gern über WordPress. Ich auch. Zu groß, zu schwerfällig, zu viele Plugins.
Trotzdem empfehle ich es weiter. Der Hauptgrund ist die quelloffene Version von wordpress.org, die ihr kostenlos auf eurer eigenen Domain und eurem eigenen Server installieren könnt.
Ich habe jahrelang Kundenseiten damit gebaut. WordPress hält sich, weil es das offene Web verkörpert. Egal was ihr vorhabt, jemand anderes hat es schon getan und aufgeschrieben. Es gibt ein Plugin dafür. Es gibt eine Anleitung. Wenn ihr nicht weiterkommt, ist die Lösung eine Suche entfernt. Keine andere Plattform bietet das.
Die Technik wächst mit euch. Ein simples Blog oder ein ganzer Shop laufen auf demselben System.
Ihr zahlt nur für das Hosting. Die meisten Hoster bieten eine Ein-Klick-Installation, sodass ihr nie einen Server oder eine Datenbank anfassen müsst. Wer heute einen KI-Agenten zur Pflege einsetzt, hat auch mit Updates weniger Mühe.
KI-Agenten
Programmier-Agenten wie Claude Code oder ChatGPTs Codex schreiben inzwischen erstaunlich guten Code für Websites. Ihr beschreibt in einfachen Worten, was ihr wollt, und sie bauen es in Minuten. Auch die Designs werden besser.
Ich kann programmieren, ich bin also nicht der klassische Fall ohne Vorkenntnisse. Aber ich verlasse mich ständig auf diese Agenten. Die Lücke zwischen dem, was ein Laie veröffentlichen kann, und dem, was ein Entwickler baut, ist enorm geschrumpft.
Ihr gebt Claude Code im Terminal einen Ordner, fragt nach einer klaren persönlichen Seite, beantwortet ein paar Rückfragen, und das Tool liefert einen soliden ersten Entwurf. Die Hälfte der Buttons führt noch ins Leere. Aber die Struktur steht. Ihr arbeitet ab dann mit einem funktionierenden Entwurf statt einer leeren Seite.
Das geht weit über einfache Websites hinaus. Ich habe Anwendungen gebaut, die Zahlungen abwickeln, Nutzerkonten verwalten und Passwörter zurücksetzen. Der Agent hat den Großteil geschrieben. Und es läuft.
Das Limit ist heute eure Vorstellungskraft. Und euer Marketing. Das Bauen ist leicht geworden. Kunden zu finden bleibt schwer.
Die Grenzen
Nichts davon ist perfekt.
Kostenlose Tarife wollen, dass ihr aufstockt. Das ist das Modell. Carrd, Framer und die anderen Baukästen locken mit der Bezahlversion. Die Kosten summieren sich schnell, wenn ihr drei Werkzeuge stapelt statt eines zu wählen.
Framer sperrt euch ein. Eure Seite lebt in deren System. Verlasst ihr die Plattform, fangt ihr bei null an.
WordPress braucht Pflege. Updates, gelegentlich ein defektes Plugin, eine Backup-Routine. Die Arbeit wird mit KI-Hilfe weniger, aber sie ist nicht weg.
Die KI-Agenten werden euch mit voller Überzeugung anlügen. Sie liefern Code, der richtig aussieht, aber nicht tut, was er soll. Ihr müsst weiterhin testen, was am Ende herauskommt. Wer den Code überhaupt nicht lesen kann, hat es schwerer.
Trotzdem sind das alles lösbare Aufgaben. Für unterschiedliche Fähigkeiten und Budgets.
Die Werkzeuge sind keine Hürde mehr.
Für fast alles, was ihr im Netz vorhabt, gibt es heute einen kostenlosen oder günstigen Weg, den man an einem Wochenende bewältigen kann. Carrd für die einfache Startseite. Framer für die Ästhetik. WordPress für Unabhängigkeit. Ein KI-Agent für Maßanfertigungen.
Als ich anfing, war das alles mühsam und teuer. Das ist es schlicht nicht mehr.

