Wie Pixar fast Toy Story 2 verlor

Burk Von Burk
Feuerwehrleute löschen 1973 das brennende Archivgebäude des National Personnel Records Center in St. Louis
Foto: National Archives, gemeinfrei

1998 sah ein Animator bei Pixar zu, wie Woody verschwand. Erst löste sich sein Hut aus dem Dateisystem, dann die Stiefel, dann der Rest der Figur.

Jemand hatte auf dem Server mit Toy Story 2 den Befehl /bin/rm -r -f * abgesetzt. Der tut exakt das, was da steht: alles löschen, ohne Rückfrage. Als endlich jemand den Stecker zog, waren rund 90 Prozent des Films weg. Zwei Jahre Arbeit.

Kein Problem, oder? Genau dafür gibt es Backups.

Pixars Backups waren seit ungefähr einem Monat still kaputt. Niemand hatte es gemerkt.

Die Rettung saß im Wochenbett

Der Film überlebte aus einem einzigen Grund. Galyn Susman, die Technische Direktorin des Films, hatte kurz zuvor ein Kind bekommen und arbeitete von zu Hause. Auf ihrem Rechner dort lag eine Kopie des Films, regelmäßig aktualisiert, damit sie zwischendurch weiterarbeiten konnte.

Der Rechner wurde ins Studio gefahren, ans Netz gehängt, die Daten kopiert. Der größte Teil kam zurück.

Toy Story 2 spielte am Ende rund eine halbe Milliarde Dollar ein. Und Pixar hatte die Lektion in ihrer reinsten Form: Ein Backup zählt nur, wenn jemand prüft, ob es funktioniert.

Mein Lieblingsdetail: Die gerettete Fassung ist nicht die, die ihr im Kino gesehen habt. Monate nach der Dateirettung entschied Pixar, dass der Film nicht gut genug war, und drehte den Großteil in neun Monaten neu. Toy Story 2 wurde zweimal gelöscht. Einmal aus Versehen, einmal mit Absicht.

Es passiert weiter

2019 bestätigte MySpace den Verlust sämtlicher Songs, die zwischen 2003 und 2015 hochgeladen wurden, verloren bei einer Servermigration. Rund 50 Millionen Titel von 14 Millionen Künstlern. Das Statement der Firma: Die Daten sind nicht wiederherstellbar.

Zehn Jahre vorher hatte der T-Mobile Sidekick schon gezeigt, was passiert, wenn die Cloud die einzige Kopie ist. Die Server hinter dem Telefon, betrieben von einer Microsoft-Tochter, verloren Kontakte, Fotos und Kalender von rund 800.000 Nutzern. Die Entschädigung: ein Gutschein über 100 Dollar.

Und 2017 hatte GitLab fünf Backup-Mechanismen am Laufen, als ein übermüdeter Admin die Produktionsdatenbank löschte. Keiner davon funktionierte. Was die Firma rettete, war ein manueller Snapshot, den ein Kollege zufällig sechs Stunden vorher gezogen hatte.

Fünf Backups. Null Backups. Offenbar dasselbe.

Papier kann das auch

Eine digitale Erfindung ist das alles nicht. 1973 brannte das National Personnel Records Center in St. Louis 22 Stunden lang und nahm bis zu 18 Millionen Militärakten mit. Keine Duplikate, kein Mikrofilm. Archivare rekonstruieren die Unterlagen von Veteranen bis heute aus verstreuten Quellen.

Das US-Patentamt brannte schon 1836 ab, mit dem kompletten Archiv amerikanischer Erfindungen darin. Der Wiederherstellungsplan der Regierung: die Erfinder bitten, ihre eigenen Ausfertigungen einzuschicken. Rund 2.845 Patente kamen zurück. Etwa 7.000 fehlen bis heute.

Es gibt übrigens noch einen zweiten Weg, alles zu verlieren: die Daten sicher in einem Format aufbewahren, das nichts mehr lesen kann. Die BBC packte 1986 ein digitales Abbild Großbritanniens auf Laserdiscs, und sechzehn Jahre später waren die Discs fast unlesbar, weil die Abspielgeräte verschwunden waren. Das Buch, das dem Projekt den Namen gab, geschrieben 1086 auf Pergament, ist bis heute tadellos lesbar.

Drei, zwei, eins

Ich habe letzte Woche meine eigene kleine Version davon durchgezogen und meine Plattform-Archive exportiert. In beiden fehlte mehr, als ich erwartet hatte: Der Substack-Export ist kein Backup, und der Medium-Export gibt alles zurück, außer euren Lesern.

Das Rezept: drei Kopien, zwei Speicherarten, eine davon woanders. Die merkbare Fassung dieser Regel stammt von einem Fotografen, nicht aus einer IT-Abteilung.

Es gibt sogar ein Datum dafür: Der World Backup Day ist der 31. März, ganz bewusst einen Tag vor dem 1. April.

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