Entwickler brauchen eine eigene Website, Schreibende nicht mehr

Burk Von Burk
Person mit Brille vor einem Monitor mit farbig hervorgehobenem Quelltext, daneben eine Tastatur auf einem Holzschreibtisch
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Ich habe vor ein paar Tagen aufgeschrieben, wie ihr 2026 an einem Nachmittag eine Website ins Netz stellt. Jetzt der Teil, den ich dabei ausgespart habe: Die meisten von euch brauchen sie nicht.

Wer schreibt, veröffentlicht auf Substack oder Medium, und die Leser kommen über den Feed oder über Google. Die eigene Seite ist dann eine Startseite, und Startseiten besucht kaum noch jemand. Ich habe selbst eine, ich mag sie, und ich mache mir nichts vor: Der überwiegende Teil meiner Leser sieht sie nie.

Eine Gruppe ist davon ausgenommen, und bei der dreht sich die Sache komplett um.

Bei Entwicklern ist die Seite selbst die Arbeitsprobe

Für Schreibende zeigt die Website auf die Arbeit. Die Arbeit liegt woanders, in Artikeln, Büchern, Newslettern.

Bei Entwicklerinnen und Entwicklern gibt es dieses Woanders nicht. Die Seite ist nicht der Wegweiser zur Arbeit, sie ist ein Stück davon. Sie läuft im Browser der Person, die gerade entscheidet, ob sie euch beauftragt, und tut dabei genau das, was ihr behauptet bauen zu können.

Der Unterhalt, die Umstellung auf eine neue Version, der Fehler, den ihr abends noch weggeräumt habt: Für Schreibende ist das lästiger Ballast, der von der eigentlichen Arbeit abhält. Bei euch ist es die Arbeit.

GitHub zeigt, dass ihr liefert, nicht was ihr auswählt

„Ich habe doch ein GitHub-Profil." Habt ihr, und ihr solltet es haben. Wer Code schreibt und dort nicht auftaucht, hat ein anderes Problem als eine fehlende Website.

Nur ist ein GitHub-Profil eine Liste. Grüne Kästchen, Repositories in der Reihenfolge, in der ihr zuletzt etwas angefasst habt, dazwischen die drei Tutorial-Projekte von 2021. Das belegt, dass ihr regelmäßig arbeitet. Es zeigt nicht, was ihr für wichtig haltet.

Genau das macht die eigene Seite. Ein Projekt steht oben, weil ihr es dorthin gestellt habt. Daneben zwei Sätze, warum es existiert und was daran schwierig war. Ein Link, der funktioniert, statt eines Screenshots, der lädt. Das ist eine andere Fähigkeit als Programmieren, und es ist die, für die Leute am Ende bezahlen: entscheiden können, was zuerst kommt.

Der Spielplatz, den der Arbeitsalltag nicht hergibt

Dazu kommt ein zweiter Grund, den Schreibende nicht haben. Bei euch ist das Bauen selbst schon die Botschaft.

Ihr wählt ein Framework, richtet eine Veröffentlichungsstrecke ein, hängt eine Domain davor und bringt etwas Kleines wirklich online. Das ist ein Portfolio-Stück über das Bauen des Portfolios. Wenn jemand schreibend eine Website baut, schiebt er meistens etwas anderes vor sich her. Wenn ihr eine baut, arbeitet ihr.

Es ist außerdem die Stelle, an der ihr ausprobieren dürft, was im Job nicht geht. Ein Framework, das im Unternehmen niemand freigeben würde. Eine Animation, die zu viel ist. Ein Stapel, auf den ihr neugierig seid. Geringes Risiko, eure Regeln, und das Ergebnis wirbt für euch, während ihr noch dabei lernt.

Die meisten Portfolios sind überbaut

Und damit zum Haken.

Drei Wochenenden gehen für eine Seite mit Scroll-Animationen, kopflosem Redaktionssystem, Dunkelmodus und einem Blog drauf, in dem nie ein Beitrag erscheint. Für fünf Projekte und ein Kontaktformular.

Danach bleibt der Unterhalt. Abhängigkeiten wollen aktualisiert werden, das Framework von vor zwei Jahren zieht nach, und irgendwann bricht der Bau ab, obwohl ihr nichts angefasst habt. Die Seite frisst dann genau die Zeit, die in die Projekte gehört hätte, die auf ihr stehen sollten.

Deshalb: erst die langweilige Fassung veröffentlichen. Eine saubere Seite mit eurem Namen, drei Dingen, die ihr gebaut habt, funktionierenden Links und einem Weg, euch zu erreichen. Das reicht länger, als ihr denkt, und es ist an einem Wochenende fertig statt in einem Quartal. Wer prüft, ob ihr seine Sache bauen könnt, achtet nicht auf euren selbstgebauten Mauszeiger.

In Deutschland kommt der rechtliche Teil dazu

Ab dem Moment, in dem ihr mit der Seite Aufträge sucht, ist sie nicht mehr privat. Dann greift § 5 DDG, ihr braucht ein Impressum mit ladungsfähiger Anschrift, und wer von zu Hause arbeitet, veröffentlicht damit die eigene Wohnadresse. Das ist unangenehm und lässt sich nur über eine Zustelladresse lösen, nicht über einen Trick im Quelltext. Dazu kommt eine Datenschutzerklärung, sobald ein Kontaktformular Daten entgegennimmt.

Der Klassiker im Portfolio bleibt aber die Schriftart. Wer Schriften direkt von Googles Servern lädt, schickt die IP-Adresse jedes Besuchers in die USA. Das Landgericht München I hat dafür am 20. Januar 2022 hundert Euro Schadensersatz zugesprochen (Az. 3 O 17493/20), woraufhin über hunderttausend automatisierte Abmahnschreiben rausgingen.

Diese Welle ist vorbei, die Gerichte haben das massenhafte Abmahnen als missbräuchlich eingestuft. Geklärt ist die Sache trotzdem nicht: Der Bundesgerichtshof hat die Grundfragen im August 2025 dem Europäischen Gerichtshof vorgelegt (Az. VI ZR 258/24), darunter, ob eine IP-Adresse für den Seitenbetreiber überhaupt ein personenbezogenes Datum ist. Bis das entschieden ist, kostet euch die sichere Variante zehn Minuten: Schriften herunterladen, selbst ausliefern, fertig. Dasselbe gilt für eingebettete Videos und Kartendienste. Was sonst noch dazugehört, wenn ihr selbständig arbeitet, steht drüben im Ratgeber.

Die Domain überlebt jede Version der Seite

Das eine, was ihr hier wirklich besitzt, ist dasselbe, das ich Schreibenden ans Herz lege. Die Adresse.

eurname.dev ist der Wert. Was dahinter läuft, ist ein Umsetzungsdetail: heute eine einzelne Seite, nächstes Jahr ein Portfolio, im Jahr darauf eine Weiterleitung auf euer bestes Projekt. Die Adresse bleibt, und Leute merken sie sich. Ich hänge inzwischen alles daran, was eine eigene Domain zulässt.

Unterm Strich

Für Schreibende ist die eigene Website ein Angebot. Es gibt sie, manche nutzen sie, gebraucht wird sie nicht mehr.

Bei euch ist sie ein Teil des Berufs. Ihr schickt niemanden woanders hin, ihr baut den Ort, an dem ihr beurteilt werdet. Und die schlichte Version, die seit zwei Jahren läuft und keine Fehler wirft, sagt darüber mehr aus als die schöne, die ihr nie fertig bekommt.

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